Sonntag, 9. März 2014

Tip für Zauberlehrling Fans - Die Chrestomanci Serie von Diana Wynne Jones


Die Chrestomanci Serie von Diana Wynne Jones ist ein unbedingter Tip für Harry Potter Freunde. Und bevor zu große Plagiats Ängste ihren Platz einnehmen wollen - Chrestomanci gab es schon eine Weile vor Harry Potter. Zwischen 1977 und 2006 entstanden sieben Bände dieser Kinderbuch Serie, die mir bis jetzt (nach drei Bänden) große Freude bereitet hat. Die Bücher müssen in keiner bestimmten Reihenfolge gelesen werden, aber mit jedem Band kommt einen neue Detailinformation hinzu. Es breitet sich hier einen komplexen ineinander verwobenen Geschichtenteppich aus, der eigentlich nie ins stolpern gerät und man kann sich einfach jeweils für einen bunten Faden (= Buch) entscheiden. Es fehlt auch nicht eine (von mir sehr gemochte) leicht schaurige Seite, die sich meiner Meinung nach sehr oft in der britischen (Kinder)literatur findet. Das liegt vielleicht daran, dass es auf der Insel üblich war Kinder ziemlich früh in entfernte Internate zu schicken, wo sie ihre ersten Erfahrungen in der Welt fernab von der schützenden elterlichen Hand machen.
Neugierig Gewordene, die sich komplett überraschen lassen wollen und meinem Buchttip schon jetzt vollstes Vertrauen schenken, sollten an dieser Stelle diesen kleinen Blog verlassen und stattdessen eines der Bücher aufschlagen. Alle anderen (die mir offensichtlich nicht so vertrauen!!!) lesen noch ein kleines Stück weiter - es wird nichts Dramatisches verraten, aber der erste Band (Charmed Life) wird vielleicht so eine Spur früher durchschaubar.




Chrestomanci ist ein Titel, den der jeweilige Zauberer bekommt, der einerseits die magische Besonderheit von neun Leben aufweist und sich andererseits natürlich auch sonst als würdig erweist. Denn Chrestomanci hat die schwierige Aufgabe die Zauberwelt zu überwachen damit diverse Regeln zum Schutz des Allgemeinwohls eingehalten werden. Deswegen kann man in großer Not auch einfach drei mal seinen Namen sagen und dann muss er erscheinen - egal in welchem der neun (bekannten) Universiiiii (???) sich der Notleidende befindet. Das erklärt vielleicht warum er zu jeder Stunde peinlich genau auf sein Äußeres achtet. Damit nicht genug muss er außerdem auch noch nach seinem Nachfolger Ausschau halten.
Trotz dieser mannigfaltigen Aufgaben steht aber eigentlich nicht Chrestomanci selbst im Mittelpunkt. Um ihn kreisen nur die diversen Geschichten. Im Mittelpunkt steht ein bis mehrere Kinder in unterschiedlichen Situationen. Eltern gibt es keine beziehungsweise kümmern sie sich nur bedingt und man ist auch nicht Teil der beliebten Gruppe, sondern mehr Mauerblümchen und Randfigur. Das heißt aber auch nicht zwingend, dass sich immer um sympathische Kinder handelt, sondern um sehr reale, widerspenstige, sich-selbstbemitleidende, besserwissende Kinder, die sich da durch die eine oder andere gefährliche Situation kämpfen. Natürlich resistent gegen gutgemeinte Ratschläge und immer mißtrauisch gegenüber den falschen Personen, machen sie sich das Leben schwerer als nötig, zeigen dafür umso mehr eigenen Kampfgeist.

So viel kann ich zumindest nach drei gelesenen Bänden vermelden. Und ich finde die Bücher sind großartig - eine liebevoll entworfene Welt mit ebenso liebevollen (wenn auch kratzigen) kleinen Helden. Ich liebe solche Bücher wenn man sich einmal in einem "Lese-Tief" befindet und man sich mit leichter, aber gut geschriebener Literatur durch den tristen Alltag bringen möchte. Und wenn man kleine Mitmenschen hat, denen man vorlesen möchte - umso besser.

Sonntag, 16. Februar 2014

Klassischer Krimi | Inspector Morse


Inspector Morse ist nicht ganz so ein alter (aber wirklich geliebter) Hut, wie die Krimis die ich sonst lese, aber wirklich frische Ware biete ich hier auch nicht an. Trotzdem muss Morse hier einmal erwähnt werden, besonders nachdem ich gerade vor kurzem wieder einmal einen Band gelesen habe und mir die speziellen Eigenheiten dieses Inspectors wieder frisch in Erinnerung sind.

Inspector Morse ist eine Erfindung des britischen Autors Colin Dexter, der zwischen 1975 und 1999 dreizehn Bände mit Morse in der Hauptrolle schrieb. Colin Dexter selbst studierte "klassische Kulturen" (d. h. die Kultur, Sprache, Philosophie, Kunst etc. der römische und griechische Antike) in Cambridge um dann später zu unterrichten. Die universitäre Bildung des Autors merkt man oft an der Wortwahl selbst. Da kann man wunderbar verschraubte Sachen lesen, wie zum Beispiel:

"His sullen, dolichocephalic face could have been designed by some dyseptic El Greco, [...]"
(Daughters of Cain)

Aber auch Morse selbst hat einiges an intellektuellem Dünkel zu bieten: Er fährt einen Jaguar, liebt klassische Musik (besonders Wagner), Poesie, schwierige Kreuzworträtsel und trinkt (durchaus auch schon zu früher Stunde) gerne britisches Ale. Er hatte ursprünglich ein Stipendium für die Universität, verlor dieses jedoch aufgrund von schwachen Noten nach einer unglücklichen Liebesaffäre. Aber auch ohne Abschluss ist Morse überdurchschnittlich intelligent und hat eine Päckchen mit Vorurteilen und festen Ansichten. Er wirkt oft egoistisch und launisch, trotzdem offenbart sich auch oft eine sanfte Seite. Der klassische geniale Eigenbrödler mit starkem Gerechtigkeitssinn und Pech bei den Frauen.
Ihm zur Seite steht Detective Sergeant Lewis; aus der Arbeiterklasse stammend und auch sonst mehr das Gegenteil von Morse, ist er unverzichtbar für ihn. Oft leidet man mit Lewis, wenn Morse mit ihm besonders launisch umgeht, aber dann merkt man wieder an kleinen Dingen, wie sehr sich die beiden schätzen - vergleichbar vielleicht mit der klassischen Holmes und Watson Freundschaft.
Die Krimis selbst sind langwierig und vielschichtig. Ich muss ehrlich zugeben, dass es manchmal schwierig ist Morse Lösungswegen zu folgen, aber es macht (zumindest mir) eine wahnsinnige Freude die Beschreibungen der Stadt (Oxford) und der einzelnen Charaktere zu lesen. Hier fällt keine der handelnden Personen flach aus und ihre Motivation sind nachvollziehbar. Oft passieren mehrere Erzählstränge nebeneinander, die sich erst zum Schluss zu einem Ganzen verbinden und eine Lösung präsentieren.

Morse wurde übrigens auch verfilmt mit dem großartigem (und leider verstorbenen) John Thaw in der Hauptrolle. Danach wurde eine Serie mit Lewis in der Hauptrolle entwickelt (die stimmigerweise auch "Lewis" heißt). Außerdem ist es ja gerade wahnsinnig modern, die Vorgeschichten zu diversen Klassikern zu drehen und daher gibt es jetzt auch eine Miniserie namens "Endeavour", die Morse in jungen Jahren zeigt. Alle drei Serien sind wirklich gut gemacht und ein schönes Kontrastprogramm zu hunderttausend CSI Varianten, wenn man denn gerne mal einen Krimi schaut. Und dann sollte es natürlich ein Englischer sein ;)


Inspector Morse "Trailer"









Mittwoch, 29. Januar 2014

Die Austen Abenteuer #5 - "Emma"


 Was sind die Austen Abenteuer?  Bitte hier nachlesen :)




"Emma Woodhouse, handsome, clever, and rich, with a comfortable home and happy disposition, seemed to unite some of the best blessings of existence; and had lived nearly twenty-one years in the world with very little to distress or vex her."

Der Roman beginnt mit einer Hochzeit - Emmas Gouvernante heiratet und Emma versucht nun den ersten Abend mit ihrem Vater so unterhaltsam und friedlich wie möglich zu gestalten. Gott sei Dank bekommen sie auch Besuch von Mr. Knightly, einem alter Freund der Familie und so ziemlich der Einzige, der Emma hin und wieder widerspricht.
Dieser sich ankündigende zurückgezogene Lebensstil entspricht so gar nicht Emmas Charakter und da sie keine junge Dame ist, die sich mit lesen oder Stickerei lang beschäftigen kann, verfolgt sie bald ein neues Projekt. Miss Harriet Smith wird zur Freundin gemacht und soll durch Emmas Einfluss kultivierter und attraktiver gemacht werden um schließlich als krönenden Abschluss möglichst vorteilhaft verheiratet zu werden. Emma biegt sich hier eine Welt zu ihrem großen Unterhaltungswert und erst als sie die Folgen ihres unüberlegten Handelns nicht mehr leugnen kann, beginnt bei ihr ein Prozess der Läuterung.

"She [Emma] would notice her [Harriet Smith]; she would improve her; she would detach her from her bad acquaintance, and introduce her into good society; she would form her opinions and her manners. It would be an interesting, and certainly a very kind undertaking; highly becoming her own situation in life, her leisure, and powers."

Emma - Fischer Verlag



Emma hat es als Einzige von Jane Austens Protagonistinnen auch auf den Titel geschafft und ist auch im Gegensatz zu ihren Kolleginnen als Einzige finanziell unabhängig - das heißt, schon ganz zu Beginn des Romans stellt Emma fest, dass Heiraten nichts für sie ist.

"The real evils, indeed, of Emma's situation were the power of having rather too much her own way, and a disposition to think a little too well of herself. […] The danger, however, was at present so unperceived, that they did not by any means rank as misfortunes with her." 

Der erste Eindruck von Emma ist der einer verwöhnten, sich selbst überschätzenden Göre, die aufgrund ihrer sozialen Stellung und ihres ungebremsten Charakters mehr Schaden anrichtet als man möglich meinen möchte. Dabei hat sie ein gutes Herz und einen klugen Kopf auf ihren wohlgeformten Schultern. Aber wie in allen Austen Romanen fehlt eine starke leitende Hand. Ihre Mutter ist früh gestorben, der Vater ist hauptsächlich mit mit seinem schwachen Gesundheit beschäftigt und ihre (ehemalige) Gouvernante ist ihr eine gute, aber allerhöchstens ebenbürtige Freundin. Allein Mr. Knightly, ein guter Freund der Familie und einige Jahre älter als Emma, schafft es hin und wieder etwas strenger mit ihr zu sein und versucht sie ein etwas besonneres Wesen zu verwandeln.
Natürlich entdeckt auch Emma bei sich erste Verdachtsmoment der Verliebteheit, aber erst nach einigen falschen Fährten und nicht spätestens nachdem sie ihre Freundin Harriet fast komplett ins Unglück gestürzt hat, merkt Emma wo ihr wahres Glück liegt.

“If I loved you less, I might be able to talk about it more.”

Emma ist sicher die leichtfüssigste in Jane Austens Frauenrunde. Durch ihre soziale Stellung hat sie mehr Freiheiten und das besondere an ihr ist auch, dass sie nicht durch ihre Verliebtheit eine Wandlung erfährt, sondern erst nach der Wandlung ihre Liebe erkennen kann. Durch ihr vermeintliches Spinnen von Heiratsglück für andere und die Fehler, die sie dabei macht, lernt sie mehr über sich selbst und ihre kleinen Schwächen. Die passiert eigentlich sehr selbständig mit nur leichten Richtungsweisern. Aber erst dann ist es ihr möglich zu erkennen, wem ihr Herz gehört. Neben dieser Erkenntnis hat Jane Austen aber hier alle möglichen Pärchenkonstellationen verarbeitet - jeder Topf bekommt sein Deckelchen beziehungsweise jedeR bekommt was er verdient. Man bekommt auch einen (für mich zumindest) überraschenden Einblick in die Liebesbriefe dieser Zeit. Da Briefe das einzige Mittel zur Kommunikation war, wurde offenbar jegliche noch so irrelevante Information dem meilenwert entfernten Liebhaber kundgetan. So steht eine geheime Liebesgeschichte fast auf der Kippe, weil der so liebevoll Adressierte davon weiß, dass einer der unzähligen Nachbarn sich doch eine neue Kutsche zulegen wollte. Da niemand, der mit ihm in offizieller Kommunikation stehenden ihm diese wertvolle Information gegeben haben kann, kommt es zu einem Geraschel und Geraune in der Gesellschaft und die heimlich Verliebten stehen kurz vor der Entdeckung.

 "Emma" ist neben "Stolz und Vorurteil" ein wunderbar fluffiger Einstieg in das Austen Universum und mir persönlich ist die etwas arg von sich überzeugte Emma sogar etwas lieber als die scharfzüngige Lizzy Bennet aus Stolz und Vorurteil.




Wunderbare Seite über Kleidung, Sitte etc. zur Lebenszeit von Jane Austen: Jane Austen's World

La Toilette, Boucher, 1742. Image@francoisboucher.org





“I am Emma Woodhouse. I feel for her, of her and in her. I have a different sort of snobbism, but I understand her snobbism. Her priggishness. I admire it. I know she does wrong things, she tries to organize other people's lives, she can't see Mr Knightley is a man in a million. She's temporarily silly, yet all the time one knows she's basically intelligent. Creative, determined to set the highest standards. A real human being.”
John Fowles, The Collector








Sonntag, 12. Januar 2014

"Gute Geister" von Kathryn Stockett




Mit einem unerklärlichem Südstaatentick ausgestattet und nachdem ich letztes Jahr mit großer Begeisterung "Gone with the Wind" gelesen habe, musste ich früher oder später natürlich auch "Gute Geister" (im engl. Original: "The Help") lesen.
"Vom Winde verweht" wird in "Gute Geister" öfters erwähnt - es ist quasi das Negativ von dem sich "Gute Geister" abheben will. Das "Vom Winde verweht" voller verklärender Romantik der eigenen Geschichte gegenüber ist, möchte ich  gar nicht bestreiten. Aber als aufmerksame Leserin wird einem der innwohnende Rassismus der damaligen Gesellschaft kaum entgehen. Es stimmt, dass Scarletts heißgeliebte "Mammy" nicht nach ihrer Meinung gefragt wurde; es ist kein Buch, dass die Sklaverei aus der Sicht der Betroffenen zeigt. Aber es zeigt die Täter (wenn auch von der Autorin ungewollt) sehr wohl; vielleicht nicht die offen brutalen Sklavenhalter, aber die "netten", die das System genauso mitgetragen und mitgestaltet haben. Kathryn Stockett will also nun in ihrem Buch den schwarzen Haushaltshilfen eine Stimme geben.

"And," I felt compelled to continue, "everyone knows how we white people feel, the glorified Mummy figure who dedicates her whole life to a white family. Margaret Mitchell covered that. But no one ever asked Mammy how she felt about it."
(Miss Skeeter zu Elaine Stein)



Die Geschichte spielt in Jackson, Missisippi in den Jahren der Bürgerrechtsbewegung. Schwarze müssen getrennte Toiletten, getrennte Eingänge und eigene Bibliothekten benützen. Schwarze Frauen arbeiten als Dienstmädchen für weiße Familien und ziehen ihre Kinder groß, dürfen aber nicht am selben Tisch essen wie ihre Arbeitgeber. Es wird aus drei Perspektiven erzählt -  da sind die schwarzen Haushaltshilfen Abileen und Minnie und "the white lady" Miss Skeeter. Miss Skeeter will Journalistin werden und nachdem sie in New York zu einem Verlag Kontakt aufnimmt, entsteht die Idee eine Sammlung von Interviews mit schwarzen Haushaltshilfen über ihr Leben und ihre Arbeit zu machen. Sie findet eine Verbündete in Abileen, doch die Arbeit an dem Buch gestaltet sich schwierig. Groß sind die Grenzen, die es zu überwinden gilt und groß sind auch die Gefahren.

Die Autorin des Buches, Kathryn Stockett, ist weiß und aus Missisippi. Man braucht das Nachwort im Buch eigentlich nicht lesen, um zu realisieren, dass sie sich mit der Figur von Miss Skeeter selbst beschreibt; aber das Nachwort hilft das Buch als das anzunehmen, was es sein will.
Denn die große Frage ist, inwieweit kann eine Weiße heute aus der Perspektive von schwarzen Angestellten in den 60ern schreiben? Wie weit kann man sich wirklich in eine Situation versetzen, die man selbst nie erlebt hat und so auch hoffentlich nie erleben wird? Wie kann man die Stimme der Opfer annehmen, wenn man eigentlich zu den Tätern gehört? In einem Abschnitt des Buches heißt es:

"White people been representing colored opinions since the beginning a time."

Passiert das nicht auch hier? Darf man das? Ich habe dazu noch immer keine abgeschlossene Meinung... Denke ich (zum Beispiel), dass eine weibliche Autorin nicht aus der Perspektive eines männlichen Protagonisten schreiben darf? Eigentlich nicht. Denke ich, dass ein Mann einen feministischen Roman aus der Sicht einer Frau schreiben kann? Vielleicht, aber ich stelle es mir schwierig vor. Möchte ich, dass fiktiver Literatur Fesseln einer bestimmten Perspektive auferlegt wird? Sicher nicht! Wäre es besser gewesen Kathryn Stockett hätte von Abileen und Minnie aus der Perspektive von Miss Skeeter erzählt? Ich weiß es nicht. Kathryn Stockett selbst schreibt, dass sie selbst nicht rechtzeitig daran gedacht hat ihre "Mammy" Demetrie nach ihrer Meinung zu fragen und dass sie mit ihrem Buch eine Annäherung, ein Verstehen versucht:

"What I'm sure about is this: I don't presume  to think that I know what it really felt to be a black woman in Mississippi, especially in the 1960s. I don't think it is something any white woman on the other end of a black woman's paycheck could ever truly understand. But trying to understand is vital to our humanity."
(Kathryn Stockett im Nachwort zu "The Help")

Abgesehen davon liest sich das Buch schnell und man fühlt mit Abileen, Minnie und Miss Skeeter. Die Charaktere selbst sind etwas flach, wie von der Stange. Man hat die gutherzige Abileen und die zornige Minnie. Es sind also die grundsätzlich möglichen/vorstellbaren Gefühlswelten abgedeckt. Von den anderen interviewten Haushaltshilfen erfährt man wenig. Einen etwas größeren Auftritt bekommt noch Gretchen, die Miss Skeeter vorwirft, dass sie nur eine weitere Weiße ist, die von den Schwarzen profitieren will. Die weinerliche Verletztheit von Miss Skeeter und die Empörung von Abileen nach Gretchens Auftritt, sind allerdings etwas schwer verdaulich.
Im englischen Original haben Abileen und Minnie einen augeprägten Dialekt, während alle Weißen perfektes Englisch sprechen. Ein Detail, dass sicher zur "Authentizität" beitragen soll, aber zumindest bei Miss Celia etwas ins Stolpern gerät - Miss Celia wird als "white trash" mit einem tiefen Südstaaten Slang beschrieben - in der direkten Rede jedoch merkt man davon bei ihr aber nichts.
Miss Skeeter ist wahrscheinlich der am besten ausgearbeitete Charakter, was aufgrund der autobiographischen Züge nicht verwundert. An ihr wird auch deutlich gezeigt, wie leicht sie Teil dieses Systems werden hätte können und dass uns oft nur kleine Abweichungen und Zufälle davor retten, den bequemen Weg zu gehen.

Im klassischen 5-Sterne System habe ich dem Buch vier gegeben, was vielleicht verwundert. Aber trotzdem alle meine Zweifel bestehen bleiben, sind sie erst beim späteren Nachdenken verstärkt in den Vordergrund getreten. Beim Lesen selbst konnte ich mich voll auf die Geschichte einlassen und  das Buch kaum aus der Hand legen. Ich hoffe aber bald Susan Tucker's "Telling Memories among Southern Women" habhaft zu werden - ein Buch mit 42 Interviews mit schwarzen und weißen Frauen, das auch Kathryn Stockett für ihr Werk gelesen hat.





Martin Luther King - "I have a dream" Speech - 28. August, 1963




Sonntag, 8. Dezember 2013

Die Königin des Scheiterns - etwas Geraunze und Gerotze als Zwischenspiel



Am Ende (des Jahres) werden wir ja alle reflektierter - deswegen haben wir ja Weihnachten erfunden. Damit all diese Reflektiererei durch Glitzer, Lichter und andere Albernheiten möglichst kurz gehalten wird. Bitte nicht falsch verstehen - ich liebe Glitzer, Lichter und Albernheiten. Ich finde es großartig, dass es jedes Jahr möglich ist zumindest einmal auch mit über 30 ernsthaft Glitzer zur Schau zu tragen - momentan sind zum Beispiel meine tannengrün lackierten Nägel noch zusätzlichen mit güldenem Glitzer verziert: Total festlich und macht beim Tippen unheimlich Freude.

Aber zurück zur Reflektion. Ich bin eine schlechte Buch-Bloggerin. Übel. Miserabel. Zum Haare raufen. Ich lese einfach zu wenig. Und nicht jedes Buch, dass ich lese, schafft es auf diesen Blog. Und das hat gar nichts damit zu tun, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Neil Gaimans "The Ocean at the End of the Lane*" habe ich zum Beispiel großartig gefunden.
Es kann sein, dass ich es nicht ganz verstanden habe, weil ich die düstere Vermutung habe, dass da eine "Botschaft" versteckt war. Ich habe es nämlich relativ rasch mit großer Begeistrung so vor mich hingelesen und mich sogar richtig gegruselt, aber dann bin ich über das Ende gestolpert und ich war mir nicht mehr sicher, was ich da eigentlich gelesen habe. Ich finde es weiterhin großartig, aber darüber schreiben möchte ich nicht - weil entweder würde das eine extrem tollpatschiger Versuch werden, die diversen Zwischentöne zu interpretieren oder ich wäre nach drei Sätzen fertig und das würde dem Buch ein großes Unrecht antun.



Und ich werde nicht anfangen, gelesene Seitenzahlen anzugeben (gääähn) oder Sätze wie "Das Cover
ist sehr schön und passt zum Buchtitel" zu schreiben, nur um ein bißchen Text zu haben. Dabei bin ich durchaus jemand, der mal ein Buch nach Cover kauft um dann enttäuscht zu werden. Jedes Mal ist das Cover schwarz-weiß-grau gestaltet und jedes Mal ist dann die dahinter versteckte Geschichte eher mau. Also Covergestaltung ist grundsätzlich eher nebensächlich, außer bei diversen Jane Austen Ausgaben, die ich am liebsten alle haben würde und keine einzige besitze. Und dann gibt es da noch diese Penguin Clothbound Classics Serie... Wunderschön. Und dann gibt es natürlich besonders liebevoll gestaltete Bücher, wie die Fairyland Serie von Catherynne M. Valente. Das erste Buch habe ich hier vorgestellt und nachdem ich seufzig und sehnsuchtsvollig getan habe, hat mir das Onkelchen den zweiten Band geschenkt. Steht auf sehr dekorativ auf meinem Schreibtisch. Gelesen habe ich es noch nicht und das wird diese Jahr auch wohl nichts mehr.

Apropos Jane Austen. Ich habe ja hier einsam und alleine das Projekt "Die Austen Abenteuer" laufen, weil ich eine Mission habe. Jane darf nicht vergessen werde und die Kunde ihre Bücher muss verbreitet werden. Mein perfider Plan war, dieses Jahr alle von ihr geschriebenen Werke hier vorzustellen und mich dann nächstes Jahr in die Welt der auf ihren Geschichten basierenden Bücher zu wagen, von denen es viele gibt (eines der bekanntesten ist der Film "Clueless") und vor denen ich als Puristin immer die Nase gerümpft habe - also eine kleine Herausforderung an mich. Aber obwohl die Anzahl der Bücher überschaubar ist, werde ich dieses Projekt wohl mit ins nächste Jahr nehmen. Aufgeben werde ich es nicht - so eine Mission lässt sich nicht so leicht abschütteln.

Diverse Weihnachtsbasteleien liegen hier auch so auf halber Strecke müde herum. Die fertig (!) gestrickte Mütze wartet noch auf den krönenden Pommsel, mein eigener Schal wartet noch auf so einiges und diverse Wollknäuel fragen sich, ob das Leben in runder Form nicht doch auch total lebenswert ist. Eine indische Gewürzdose fragt nach ihre Füllung und ich frage mich, ob indische Gewürzdosen ohne Inhalt nicht auch total schick sind. Mit Staffel 7 von Dr. Who bin ich jetzt aber fertig, den Film im Kino habe ich verpasst. Es gibt nächstes Jahr wohl noch so einiges zu tun.









*bisher noch nicht auf Deutsch erschienen?