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Sonntag, 6. April 2014

Meine ersten Leseschritte...


Nachdem 2014 bei mir ohne Absicht im Zeichen der Kinder- beziehungsweise Jugenbücher steht, liegt es irgendwie nahe sich daran zu erinnern was man als tatsächliches Kind so an Büchern konsumiert hat. In meiner Erinnerung ist mein erstes "selbst gelesenes" Buch dieses hier:


Erstmals erschienen ist der böse Hatschi Bratschi anscheinend im Jahr 1904, geschrieben vom österreichischen Marineoffezier Franz Karl Ginzkey.


Das "selbst gelesen" steht deswegen unter Anführungszeichen, weil ich damals noch gar nicht lesen konnte, aber ich mir das Buch so oft vorlesen ließ bis ich es auswendig konnte und dann habe ich eben so getan als ob... das ich für eine glaubwürdige Darstellung auch einmal umblättern hätte müssen, war mir da nicht so klar. Eine Textstelle ist mir heute noch im Kopf...


Drin sitzt, die Pfeife in der Hand
Ein Zauberer aus dem Morgenland*.
Der böse Hatschi Bratschi heißt er,
Und kleine Kinder fängt und beißt er.
O Fritzchen, Fritzchen, lauf davon,
Sonst kommst du in den Luftballon!
Ach, Hatschi Bratschi hat ihn schon!
Er hat ihn schon und hält ihn fest,
Weil er mit sich nicht spaßen läßt.


Da werden in Reimform schon mal die zukünftigen Ängste indoktriniert. Als Kind war mir das natürlich nicht so bewusst  - in dem Alter ist man ja weniger reflektiert und saugt alles auf wie ein Schwamm. Deswegen ist das wahrscheinlich auch der richtige Zeitpunkt für belehrende Werke wie Hatschi Bratschi und Struwelpeter (auch ein Begleiter meiner Kindheit). Das kleine Tantchen war außerdem vor allem von den Bilder faszieniert - besonders gut kann ich mich an die Illustration von "Datteln" erinnern. Ich hatte nämlich keine Ahnung was das sein sollte. Ähnlich ging es mir übrigens auch bei meinem ersten Garfield Comic - Lasagne war für mich auch ein sehr befremdliches Gericht und über die Illustrationen so gar nicht nachvollziehbar. Deswegen bin ich heutzutage wahrscheinlich auch so neugierig auf Essen aus aller Welt.


*In der Originalversion ist es ein Türke aus dem Türkenland. Aber ich hatte schon eine "korrektere" Variante.


Sonntag, 9. März 2014

Tip für Zauberlehrling Fans - Die Chrestomanci Serie von Diana Wynne Jones


Die Chrestomanci Serie von Diana Wynne Jones ist ein unbedingter Tip für Harry Potter Freunde. Und bevor zu große Plagiats Ängste ihren Platz einnehmen wollen - Chrestomanci gab es schon eine Weile vor Harry Potter. Zwischen 1977 und 2006 entstanden sieben Bände dieser Kinderbuch Serie, die mir bis jetzt (nach drei Bänden) große Freude bereitet hat. Die Bücher müssen in keiner bestimmten Reihenfolge gelesen werden, aber mit jedem Band kommt einen neue Detailinformation hinzu. Es breitet sich hier einen komplexen ineinander verwobenen Geschichtenteppich aus, der eigentlich nie ins stolpern gerät und man kann sich einfach jeweils für einen bunten Faden (= Buch) entscheiden. Es fehlt auch nicht eine (von mir sehr gemochte) leicht schaurige Seite, die sich meiner Meinung nach sehr oft in der britischen (Kinder)literatur findet. Das liegt vielleicht daran, dass es auf der Insel üblich war Kinder ziemlich früh in entfernte Internate zu schicken, wo sie ihre ersten Erfahrungen in der Welt fernab von der schützenden elterlichen Hand machen.
Neugierig Gewordene, die sich komplett überraschen lassen wollen und meinem Buchttip schon jetzt vollstes Vertrauen schenken, sollten an dieser Stelle diesen kleinen Blog verlassen und stattdessen eines der Bücher aufschlagen. Alle anderen (die mir offensichtlich nicht so vertrauen!!!) lesen noch ein kleines Stück weiter - es wird nichts Dramatisches verraten, aber der erste Band (Charmed Life) wird vielleicht so eine Spur früher durchschaubar.




Chrestomanci ist ein Titel, den der jeweilige Zauberer bekommt, der einerseits die magische Besonderheit von neun Leben aufweist und sich andererseits natürlich auch sonst als würdig erweist. Denn Chrestomanci hat die schwierige Aufgabe die Zauberwelt zu überwachen damit diverse Regeln zum Schutz des Allgemeinwohls eingehalten werden. Deswegen kann man in großer Not auch einfach drei mal seinen Namen sagen und dann muss er erscheinen - egal in welchem der neun (bekannten) Universiiiii (???) sich der Notleidende befindet. Das erklärt vielleicht warum er zu jeder Stunde peinlich genau auf sein Äußeres achtet. Damit nicht genug muss er außerdem auch noch nach seinem Nachfolger Ausschau halten.
Trotz dieser mannigfaltigen Aufgaben steht aber eigentlich nicht Chrestomanci selbst im Mittelpunkt. Um ihn kreisen nur die diversen Geschichten. Im Mittelpunkt steht ein bis mehrere Kinder in unterschiedlichen Situationen. Eltern gibt es keine beziehungsweise kümmern sie sich nur bedingt und man ist auch nicht Teil der beliebten Gruppe, sondern mehr Mauerblümchen und Randfigur. Das heißt aber auch nicht zwingend, dass sich immer um sympathische Kinder handelt, sondern um sehr reale, widerspenstige, sich-selbstbemitleidende, besserwissende Kinder, die sich da durch die eine oder andere gefährliche Situation kämpfen. Natürlich resistent gegen gutgemeinte Ratschläge und immer mißtrauisch gegenüber den falschen Personen, machen sie sich das Leben schwerer als nötig, zeigen dafür umso mehr eigenen Kampfgeist.

So viel kann ich zumindest nach drei gelesenen Bänden vermelden. Und ich finde die Bücher sind großartig - eine liebevoll entworfene Welt mit ebenso liebevollen (wenn auch kratzigen) kleinen Helden. Ich liebe solche Bücher wenn man sich einmal in einem "Lese-Tief" befindet und man sich mit leichter, aber gut geschriebener Literatur durch den tristen Alltag bringen möchte. Und wenn man kleine Mitmenschen hat, denen man vorlesen möchte - umso besser.