Sonntag, 8. Dezember 2013

Die Königin des Scheiterns - etwas Geraunze und Gerotze als Zwischenspiel



Am Ende (des Jahres) werden wir ja alle reflektierter - deswegen haben wir ja Weihnachten erfunden. Damit all diese Reflektiererei durch Glitzer, Lichter und andere Albernheiten möglichst kurz gehalten wird. Bitte nicht falsch verstehen - ich liebe Glitzer, Lichter und Albernheiten. Ich finde es großartig, dass es jedes Jahr möglich ist zumindest einmal auch mit über 30 ernsthaft Glitzer zur Schau zu tragen - momentan sind zum Beispiel meine tannengrün lackierten Nägel noch zusätzlichen mit güldenem Glitzer verziert: Total festlich und macht beim Tippen unheimlich Freude.

Aber zurück zur Reflektion. Ich bin eine schlechte Buch-Bloggerin. Übel. Miserabel. Zum Haare raufen. Ich lese einfach zu wenig. Und nicht jedes Buch, dass ich lese, schafft es auf diesen Blog. Und das hat gar nichts damit zu tun, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Neil Gaimans "The Ocean at the End of the Lane*" habe ich zum Beispiel großartig gefunden.
Es kann sein, dass ich es nicht ganz verstanden habe, weil ich die düstere Vermutung habe, dass da eine "Botschaft" versteckt war. Ich habe es nämlich relativ rasch mit großer Begeistrung so vor mich hingelesen und mich sogar richtig gegruselt, aber dann bin ich über das Ende gestolpert und ich war mir nicht mehr sicher, was ich da eigentlich gelesen habe. Ich finde es weiterhin großartig, aber darüber schreiben möchte ich nicht - weil entweder würde das eine extrem tollpatschiger Versuch werden, die diversen Zwischentöne zu interpretieren oder ich wäre nach drei Sätzen fertig und das würde dem Buch ein großes Unrecht antun.



Und ich werde nicht anfangen, gelesene Seitenzahlen anzugeben (gääähn) oder Sätze wie "Das Cover
ist sehr schön und passt zum Buchtitel" zu schreiben, nur um ein bißchen Text zu haben. Dabei bin ich durchaus jemand, der mal ein Buch nach Cover kauft um dann enttäuscht zu werden. Jedes Mal ist das Cover schwarz-weiß-grau gestaltet und jedes Mal ist dann die dahinter versteckte Geschichte eher mau. Also Covergestaltung ist grundsätzlich eher nebensächlich, außer bei diversen Jane Austen Ausgaben, die ich am liebsten alle haben würde und keine einzige besitze. Und dann gibt es da noch diese Penguin Clothbound Classics Serie... Wunderschön. Und dann gibt es natürlich besonders liebevoll gestaltete Bücher, wie die Fairyland Serie von Catherynne M. Valente. Das erste Buch habe ich hier vorgestellt und nachdem ich seufzig und sehnsuchtsvollig getan habe, hat mir das Onkelchen den zweiten Band geschenkt. Steht auf sehr dekorativ auf meinem Schreibtisch. Gelesen habe ich es noch nicht und das wird diese Jahr auch wohl nichts mehr.

Apropos Jane Austen. Ich habe ja hier einsam und alleine das Projekt "Die Austen Abenteuer" laufen, weil ich eine Mission habe. Jane darf nicht vergessen werde und die Kunde ihre Bücher muss verbreitet werden. Mein perfider Plan war, dieses Jahr alle von ihr geschriebenen Werke hier vorzustellen und mich dann nächstes Jahr in die Welt der auf ihren Geschichten basierenden Bücher zu wagen, von denen es viele gibt (eines der bekanntesten ist der Film "Clueless") und vor denen ich als Puristin immer die Nase gerümpft habe - also eine kleine Herausforderung an mich. Aber obwohl die Anzahl der Bücher überschaubar ist, werde ich dieses Projekt wohl mit ins nächste Jahr nehmen. Aufgeben werde ich es nicht - so eine Mission lässt sich nicht so leicht abschütteln.

Diverse Weihnachtsbasteleien liegen hier auch so auf halber Strecke müde herum. Die fertig (!) gestrickte Mütze wartet noch auf den krönenden Pommsel, mein eigener Schal wartet noch auf so einiges und diverse Wollknäuel fragen sich, ob das Leben in runder Form nicht doch auch total lebenswert ist. Eine indische Gewürzdose fragt nach ihre Füllung und ich frage mich, ob indische Gewürzdosen ohne Inhalt nicht auch total schick sind. Mit Staffel 7 von Dr. Who bin ich jetzt aber fertig, den Film im Kino habe ich verpasst. Es gibt nächstes Jahr wohl noch so einiges zu tun.









*bisher noch nicht auf Deutsch erschienen?



Sonntag, 24. November 2013

Hörbuch: Benedict Cumberbatch spricht Ngaio Marsh


Ich liebe Hörbücher und bilde mir, hier noch nie welche vorgestellt zu haben. Das wird sich aber jetzt sowas von ändern und in diesem Fall schlage ich gleich drei Fliegen mit einer Klappe. Unter dem Vorwand einen klassischen englischen Krimi (Fliege Nummer 2) in Form eines Hörbuchs (Fliege Nummer 3) zu präsentieren, kann ich eigentlich über Benedict Cumberbatch (Fliege Nr. 1) sprechen.

Mit ist Cumberbatch das erste Mal in einer Miss Marple Adaption aufgefallen - Murder is Easy mit Julia McKenzie* als Miss Marple.  Seitdem hat sich für ihn in Punkto Karriere einiges getan; nicht nur mit der erfolgreichen und grandiosen Serie "Sherlock" (BBC), sondern auch der internationale Durchbruch als Böswicht im letzten Star Trek Film.

 Trailer Sherlock




Star Trek 'Into Darkness' - International Trailer




Und falls irgendjemand sich jetzt einen der beiden Trailer angeschaut hat und und jetzt nicht unbedingt ein Buch - und sei es ein Telefonbuch - von Benedict Cumberbatch vorgelesen haben möchte, der/die/das ist nicht mehr ganz bei Verstand. Alle anderen - es gibt ein Lösung. Unter anderem hat der gute Mann drei Krimis der Autorin Ngaio Marsh gesprochen. Telefonbuch ist ja dann doch nicht das Wahre.

Ngaio Marsh gehört (neben Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Margery Allingham) zu den wahren und ursprünglichen 'Queen of Crimes', ist aber, glaube ich, in unseren deutschsprachigen Breitengraden weniger bekannt. Sie war Neuseeländerin, aber ihr Dedektiv ist der  britische Inspektor Roderick Alleyn  und fast alle ihre Krimis spielen in England.
Wenn man klassische britische Dedektivgeschichten mit wenig Blut mag und sich dafür für die typischen englischen Eigenheiten wie Pubs, Jagd und Ständedünkel begeistern kann, ist hier sehr gut aufgehoben. Inspektor Alleyn ist ein Gentleman mit guter Erziehung - diese Beschreibung sagt auch schon einiges über die Krimis von N. Marsh aus. Es sind bedächtige Geschichten mit Beschreibungen von englischen Dörfern und den dort wohnenden Charakteren; trotz durchdachter Handlung geht es hier für mich weniger um die Lösung eines Mordes, als um die Atmosphäre und die Beziehung der unterschiedlichen Personen zueinander. Gesprochen von Benedict Cumberbatch bekommt das ganze noch einmal einen Extra Bonus - die Personen werden durch das Talent und den britischen Akkzent des Schauspielers einfach noch lebendiger.


Ngaio Marsh Krimis von B. Cumberbatch gesprochen sind:

Artists in Crime










Death in a White Tie

Scales of Justice













*Not my favourite Miss Marple, but that's another story...

Sonntag, 17. November 2013

Die Austen Abenteuer #4 - "Mansfield Park"

                                                                                                                 Die Austen Abenteuer







Im Mittelpunkt dieses Jane Austen Romans steht Fanny Price: Sie wird von ihren wohlhabenden Verwandten aufgenommen um ihren Eltern das Leben zu erleichtern und ihr eine bessere Erziehung zu ermöglichen. Soweit die guten Absichten. Dabei wird aber nie vergessen Fanny auf ihre ärmliche Herkunft hinzuweisen und das sehr schüchterne Mädchen fühlt sich oft einsam - nur ihr Cousin Edward kümmert sich um Fanny und wird bald ihr bester Freund und später ihre große einseitige Liebe. Zur selben Zeit als ihr Onkel aufgrund geschäftlichen Verpflichtungen nach Antigua muss, macht die restliche Familie ihre Bekanntschaft mit Mary und Henry Crawford. Mary und Henry sind beide wohlhabend und sorgenfrei bist zur Gewissenlosigkeit. Beide haben große Anziehungskraft auf Fannys Cousinen und ohne die strenge Hand des abwesenden Onkels, sorgen die beiden für Liebeskummer und Unruhe. Nur Fanny scheint den wahren Charakter der Crawfords zu durchschauen und leidet still, während sie merkt, dass Edmund sich immer mehr in Mary Crawford verliebt. Und auch Henry Crawford sorgt für einiges Unbehagen in Fannys bisher unschuldigem Leben...

Mansfield Park ist der Roman der unter den Austen Fans wahrscheinlich für die größte Unstimmigkeit sorgt - es gibt große Liebhaber der Geschichte um Fanny Price; viele können aber so gar nichts mit dieser ruhigen und zurückgezogenen Heldin anfangen.
Auch ich bin keine große Freundin von Fanny - oder eigentlich stört mich Fanny weniger: warum nicht einmal (speziell nach der fast übertrieben scharfzüngingen Lizzy Bennet) einen etwas introvertierterem Charakter auf die Bühne stellen, die mit ruhiger Standhaftigkeit schließlich auch die ihr gebührende Anerkennung erlangt?
Mein Problem ist mehr das gesamte Tempo des Romans - stellenweise ziehen sich die einzelnen Dialoge wahnsinnig in die Länge und sind ohne den sonst so gewohnten Witz von Jane Austen schwer zu lesen ohne ungeduldig zu werden. Es gibt hier viele Gespräche zwischen Edmund und Fanny, die vor allem dazu dienen, sehr enrsthaft die verschiedenen Vor- und Nachteile mancher Charakterzüge zu diskutieren. Man wünscht Fanny, dass sie ihr Glück findet, aber speziell die erste Hälfte des Romans ist teilweise einfach langweilig. Erst als dann Henry Crawford anfängt eine größere Rolle in Bezug auf Fanny zu spielen, gewinnt die Geschichte einen großen Spannungsmoment. Ich kann mich erinnern, dass ich, als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, wirklich nicht gewußt habe, wie Fannys Geschichte ausgehen wird und das ist bei einem Jane Austen Roman schon speziell.
Aber schlußendlich ist Mansfield Park einfach nicht "my cup of tea".
Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass Austen ein Talent hat wirklich unsympathische Charaktere zu entwerfen - in diesem Fall sind eigentlich alle, bis auf Edmund und Fanny, auf der "dunklen Seite" und selbst die beiden sind manchmal in ihrer moralischen Selbstisicherheit schwer zu verdauen. Es ist schwieirig eine Geschichte zu lesen, wo einem fast alle handelnden Personen Bauchschmerzen bereiten.
Aber den größten Vorwurf den ich Fanny - oder besser Jane Austen - mache, ist, dass sie im Gegensatz zu ihren Kollgeinnen in den anderen Austen Büchern eigentlich keine Entwicklung erlebt. Sie bleibt vom Anfang bis zum Ende eine sehr korrekte und passive Person und die Moral scheint zu sein, dass geduldiges Warten durchaus reicht um am Schluß belohnt zu werden. Abgesehen davon, dass das nicht gerade eine Botschaft ist, die ich so unterschreiben würde, wäre es schön gewesen, wenn Fanny gegen Ende des Romans ein bißchen lebhafter geworden wäre.
Meiner Meinung nach sollte man Mansfield Park sicher nicht als erstes Buch von Austen lesen - vielleicht ist es sepeziell etwas für Leute für die Lizzy Bennet etwas zu draufgängerisch und vorlaut war. Fanny Price ist ihr ziemliches Gegenteil, aber für meinen Geschmack eine Spur zu "heilig" um wirklich Spaß zu machen und ihre Geschichte und die beschriebene Problematik ist nicht so zeitlos wie man es von anderen Austen Romanen kennt.

Hier der Trailer für die Verfilmung von Mansfield Park von 1999 - Fanny ist hier ihrer Buchvorlage nicht wirklich treu geblieben





Regency Wedding






Sonntag, 3. November 2013

"Der Report der Magd" von Margaret Atwood



'By telling you anything at all I'm at least believing in you, I believe you're there, I believe you into being. Because I'm telling you this story I will your existence. I tell, therefore you are.'


Im Original heißt das Buch "The Handmaid's Tale" (erstmals 1986 erschienen) - ein um einiges geglückterer Titel. Ich finde hier die Übersetzung etwas schroff und ich glaube nicht, dass ich das Buch in der deutschen Übersetzung überhaupt gelesen hätte. Für mich klingt "Der Report der Magd" wie einer dieser reisserischen, historisch angehauchten Romane in denen es dann vor allem um Sex geht. Anscheinend gibt es auch eine Verfilmung des Romans unter dem Titel "Die Geschichte der Dienerin", was ich persönlich eine viel bessere Übersetzung finde.


Handmaid's Tale, Artist: Erin Mcuire



Es wird die Geschichte von Offred (zu deutsch "Desfred") erzählt, die eine "Magd" (Handmaid) in der Republik von Gilead, einer streng religiösen Gemeinschaft, ist. Sie lebt bei einem Commander und seiner Frau und abgesehen von kleineren Hilfstätigkeiten im Haushalt, besteht ihre Hauptaufgabe darin, sich einmal im Monat auf den Rücken zu legen und zu hoffen, dass der Commander sie schwängert. Fruchtbare Frauen sind aufgrund diffus angedeuteten Katastrophen rar und diejenigen die Kinder bekommen können, haben eine Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft. Aber Offred erinnert sich an eine Zeit davor, als sie verliebt war und eine Familie hatte und vor allem einen eigenen Namen, einen eigenen Job und Zugang zu Wissen...

'There is more than one kind of freedom, said Aunt Lydia. Freedom to and freedom from. In the days of anrachy, it was freedom to. Now you are being given freedom from. Don't underrate it.'

Die erste Hälfte des Buches hat mir eigentlich gar nicht gefallen, bis mich die Geschichte dann plötzlich nicht mehr losgelassen hat und ich den restlichen Roman mit einem Knoten in der Magengegend fertig gelesen habe.
Es dauert schon eine Weile bis man sich zurecht findet, da man mitten in die Geschichte stolpert, die aus Offreds Perspektive erzählt wird und man sich jedes kleine Stück Information zu dieser Gesellschaft in Gilead in mühsamer Kleinarbeit erlesen muss. Das ansich war mir aber gar nicht so unsympathisch - ich finde es durchaus gut, wenn einem Bücher nicht gleich alle Information auf der ersten Seite präsentieren (oder noch schlimmer, sich mit mühsam konstruierten Dialogen behelfen um möglichst alles nicht voraussetzbare Hintergrundwissen in einer Seite abzuhandeln).
Aber ab dem Zeitpunkt wo sich dann langsam ein Ganzes aus den Puzzelteilen bildet und sich die vermutete Absurdität dieser Gilead Republik bestätigt, schüttelt man erstmal den Kopf und hat vielleicht auch Gedanken wie "Welche böse, männliche Laus ist den Margaret über sämtliche inneren Organe gelaufen, dass sie denkt, dass so etwas möglich wäre oder von irgendjemanden - männlich oder weiblich - mitgetragen werden würde." Die Gesellschaft die Atwood hier beschreibt ist totalitär und frauenfeindlich.  Alle Frauen sind in eine Art Kastensystem von Ehefrauen,"Tanten" (Erzieherinnen), "Marthas" (Haushaltshilfen) und eben Handmaids unterteilt. Diese Handmaids werden einer Familie zugeteilt, wo die Ehefrau nicht fähig ist ein Kind zu bekommen. Einmal im Monat sind dann beide Eheleute und Handmaid im Schlafzimmer und während die Ehefrau die 'Dienerin' festhält, schläft der Mann mit ihr. So soll verhindert werden, dass die Handmaid sexuell aufgeladen wird; sie ist lediglich ein Gefäß für das erhoffte Kind. Vor allem bei dieser Bettszene schien mir das Buch ins Absurde abzurutschen: Man konnte nicht erkennen, wer von diesem System Vorteile haben sollte - es erscheint für alle Beteiligten schrecklich.
Erst als dieses scheinbar perfekt funktionierende System Risse bekommt und Schlupflöcher sichtbar werden, werden auch durchaus die Vorteile für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung klar und es läuft einen beim Lesen eine kalter Schauer über den Rücken. Gewisse Gedankengänge und Mechanismen scheinen plötzlich gar nicht mehr so weit hergeholt und extrem, sondern um einiges näher als einem lieb ist; es geht weniger um Frauenfeindlichkeit als Entmenschlichung. Das Buch erinnert mich stark an Orwells "1984" - weniger Science Fiction, sondern mehr eine mögliche Alternative, wenn mehrere falsche Abzweigungen genommen werden und wir als Menschen nicht höllisch aufpassen. Es ist ein Roman für die es sich absolut lohnt etwaige Anfangsschwierigkeiten zu überwinden.


"The Handmaid's Tale - Official Trailer (1990)






Sonntag, 27. Oktober 2013

R.I.P. Lou Reed







 

A Walk on the Wild Side

Mr. Penumbra's 24 Hour Bookstore von Robin Sloane



'When you search for "unbroken Spine" Google replies: Did you mean: unicorn sprinkle?'





"Mr. Penumbra's 24 Hour Bookstore"* war ein überraschend schönes Leseerlebnis. Ich habe mir das Buch eigentlich ohne großes Nachdenken oder irgendwelche Empfehlungen gekauft; ich wollte einfach eine leichte Lektüre für den Urlaub, mit nicht allzu vielen Seiten und nicht allzu dramatischen Inhalt. Und wie der Titel schon verrät, ist es ein Buch über Bücher (aber nicht nur) und wie viele LeserInnen habe ich dafür sowieso eine Schwäche.




Aufgrund der allgemeinen (schlechten) wirtschaftlichen Lage verliert Clay Jannon seinen Job als Web Designer und aufgrund seiner Fähigkeit ohne Probleme hohe Leitern rauf und runter zu klettern, ergattert er sich die Nachtschicht in Mr. Penumbras Buchladen. Der Laden ist aber anscheinend noch weitaus eigenartiger, als es der erste Blick sowieso schon vermuten lässt. Die wenigen regelmässigen Kunden scheinen nie etwas zu kaufen, sondern nur besonders obskure Bücher auszuleihen. Die ausgeliehenen Bücher sind alle in einem eigenartigen Code verschlüsselt und Clay wird neugierig. Er beginnt die verschiedenen Besucher und das Schema ihres Leseverhaltens zu analysieren und macht sich schließlich gemeinsam mit seinen Freunden auf, ein Abenteuer zu bestehen.

Robin Sloane bedient sich hier verschiedener schon bekannter Zutaten: der klassische magische Buchladen und eine Geheimgesellschaft wird hier mit moderner Technologie etwas aufgemischt.
Im Grunde geht es um die Frage "Was suchst du hier?" und Sloane gibt eine bekannte und schöne Antwort auf diese Frage. Ich kann dieses Buch jeder/jedem empfehlen, der nicht puristisch veranlagt ist, was die diversen Genres betrifft und etwas Seelenbalsam vertragen kann (und wer braucht das nicht hin und wieder?). Ich finde es würde sich auch wahnsinnig gut als Geschenk für jemanden eignen, der gerade etwas vom Leben gebeutelt ist und vielleicht wieder die eigenen Prioritäten gerade rücken muß. Hier wird das Brot sicher nicht neu erfunden, aber manchmal ist es gut bekanntes in einer Geschichte verpackt zu lesen, damit man nicht auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben
vergisst.


'There is no immortality that is not built on friendship and work done with care. All the secrets in the world worth knowing are hiding in plain sight.'






*Robin Sloan, Mr. Penumbra's 24 Hour Bookstore, 2013
....soweit ich weiß ist das Buch bisher leider nicht auf deutsch erschienen - falls ich mich irre, würde ich mich über eine Nachricht mit Berichtigung freuen :)



Montag, 14. Oktober 2013

Cross Stitch (Outlander 1) von Diana Gabaldon


deutsch: Feuer und Stein



Also nein. Das war wohl wirklich nichts. Leider ist die Warnung der lieben Papyrus zu spät gekommen - da hatte ich das Buch schon durch. Irgendwie konnte ich es dann doch nicht weglegen, immer in der Hoffnung, dass mich dann doch die Spannung packt oder ich zumindest verstehe was für eine Geschichte die Autorin erzählen will. Aber von vorne....

Es ist kurz nach dem zweiten Weltkrieg und Claire (von Beruf Krankenschwester) macht mit ihrem Mann Frank Urlaub in Schottland (beziehungsweise forscht ihr Mann dort nach seinen Ahnen, was sich später noch als praktisch heraustellen wird). Jedenfalls purzelt die gute Claire durch ein Zeitportal und findet sich im Jahr 1743 wieder, mitten im Kampfgetümmel von schottischen Rebellen gegen englische Soldaten.
Claire wird dann von eben diesen schottischen Rebellen entführt, erwirbt sich aber aufgrund ihrer Heilkünste schon bald den Respekt der Highlander. Um sie zu schützen, wird sie "gezwungen" einen jungen, reschen Schotten namens Jamie zu heiraten (und auch die Ehe zu vollziehen. Daran führt kein Weg vorbei). Beide haben einen gemeinsamen Feind - einen englischen Komandanten namens Randall: Sadist und Vorfahre ihres Mannes. Es beginnt nun ein abenteuerliches sich in Gefahr begeben und gerettet werden und Claire muss sich zwischen ihrem Mann (in der Zukunft) und dem schönen Schotten entscheiden.



Ich habe zwei große Probleme mit dem Buch: es entsteht für mich kein Spannungsbogen und die Art der Liebesgeschichte zwischen Jamie und Claire interessiert mich so eigentlich nicht.

Eigentlich sollte ich an diesem Punkt vor "Spoilern" warnen, aber das gestaltet sich für mich etwas schwierig, da es irgendwie  für mich an einer auf einen Höhepunkt zulaufende Handlung mangelt.
Es fängt eigentlich nicht unspannend an: Claire fällt durch das Portal und muss sich in ihrer neuen Situation zurechtfinden. Das gelingt ihr sehr souverän (gähn). Im nächsten Schritt heiratet sie Jamie. All das passiert ziemlich am Anfang des Buches. Dazwischen wird langatmig Alltag und dann vor allem Sexzenen beschrieben. Außerdem bringt sich Claire mehrmals in Gefahr und wird gerettet.  Und das sie gerettet wird stand für mich  immer außer Zweifel... ich konnte einfach nicht mitfiebern. Ich muss auch zugeben, dass ich teilweise quergelesen und ganze Seiten übersprungen habe, weil Diana Gabaldon etwas zu sehr in ihr ausführliches Beschreibungstalent verliebt ist. Aber ich konnte auch nicht aufhören zu lesen, weil ich irgendwie auf einen "Aha-Moment" gewartet habe. Was wollen diese Figuren eigentlich? Aber als Fazit kann ich sagen, dass Gabaldon hauptsächlich eine sexuell aufgeladenen Ehe beschreibt, die durch gegenseitiges Retten noch sexueller wird. Claire und Jamie mögen sich genügen, aber mir haben sie nicht gereicht.

Zur Liebesgeschichte: Ich bin ja im Herzen eine große Romantikerin, aber die hier beschriebene Beziehung langweilt mich einfach beziehungsweise bin ich dafür einfach zu alt (?). Mich erinnert das alles zu sehr an Teenager-Tagträume: man selbst ist um einges hübscher (eigentlich begehren einen alle)  und souveräner als in der Realität erlaubt ist und hat einen gekonnten Auftritt nach dem anderen und DER Schwarm, den alle wollen, verzehrt sich eigentlich nur nach mir. Und zwar von Anfang an, bevor mir selbst überhaupt klar ist, wie toll ich ihn finde.
Der Beweis  (und eigentlich auch das Fundament) für diese großartige Liebe ist hier Sex - Claire wird begehrt und genommen, immer und immer wieder. Und großartiges und absurdes Detail ist auch, dass Jamie Jungfrau ist. Keine früheren Frauen, auf die man eifersüchtig sein müsste. Trotzdem ist er natürlich ein Naturtalent im Bett, was aber auch an Claire liegen kann - schließlich wird schon am Anfang des Buches festgestellt, dass Bettakrobatik und sexuelle Anziehungskraft ihr Ding ist.
Ach, wir armen Menschlein, die wir uns bei unseren ersten Versuchen etwas unsicher und tollpatschig angestellt haben und den Partner oder die Partnerin erst kennenlernen mussten. Andere können es einfach  und so erkennt man auch wahre Liebe. Und die "tiefsinnigen" Gespräche, die die beiden führen - zum Haareraufen. So brutal Jamies Leben auch bisher war, für einen 23jährigen ist er ganz schön reflektiert und mit seinen Emotionen im Reinen. Hut ab!


               ............................falls jemand das Buch noch lesen möchte, hier folgen "Spoiler".........................

Hat jemand übrigens vergessen, dass Claire in der Zukunft/Gegenwart verheiratet war? Und ihren Mann ja anscheinden auch geliebt hat, aber als sie die Möglichkeit hat, in ihre Zeit zurück zu kehren, entscheidet sie sich für Jamie. Natürlich hat sie deswegen hin und wieder Gewissenbisse, besonders am Anfang, wo sich die Frage stellt ob sie mit Jamie schlafen soll, obwohl sie ja eigentlich mit einem anderen verheiratet ist. Aber Hallelujah - Claire soll am Ende dieses Bandes Absolution finden. Obwohl sie eigentlich keine religiöse Erziehung erfahren hat und nach eigenen Worten keinem Glauben anhängt, findet sie ihre Erlösung bei einem katholischen Priester, der ihr die Beichte abnimmt. Er steht Zeitreisen durchaus aufgeschlossen gegenüber, den Gottes Wege sind wunderbar und Claire wird schon hier richtig sein. Sie soll sich ihrem Schicksal fügen und alles ist gut. Eine der wenigen interessanten emotionalen Konflikte der Geschichte wurde hier einfach mal glatt gebügelt.


Und dann gibt es da noch ein, zwei Sachen die mir sauer aufstossen sind...


Vergewaltigung: Es gibt da zum Beispiel Jamies Schwester, die, als Jamie zum ersten Mal von Nemesis Randall gefangen genommen wird, von eben diesem vergewaltigt wird. Sie bietet sich Randall an, um Jamies Leben zu retten und so weit Jamie weiß, hat sie von dieser Vergewaltigung ein Kind bekommen. Deswegen kann unser schottischer Recke (unter anderem) nicht auf seinen Besitz - er kann mit der Schande (!) seiner Schwester nicht leben. Aber als Jamie dann auf seine Schwester trifft, klärt sich alles auf - der böse Randall wurde im rechten Moment von seiner Männlichkeit verlassen und die Vergewaltigung fand nie statt. Jamie kann seiner Schwester wieder in die Augen sehen ohne sich für sie in Grund und Boden zu genieren.
Preiset den Herren und die einfachen Lösungen von Diana Gabaldon. Während es durchaus glaubwürdig ist, dass ein Mann sich für die vergewaltigte Schwester schämt, speziell in dieser Zeit, wäre es durchaus interessanter gewesen zu lesen, wie Jamie dieses Gefühl überwindet und nicht dem Opfer für das Verbrechen die Schuld gibt. Es wäre ja spannend zu wissen, was Jamie gemacht hätte. wäre Claire vergewaltigt worden. Hätte er sie dann verlassen?

Prügelstrafe: Diana Gabaldon ist mir etwas zu sehr pro "gerechtes" Prügeln. Man könnte natürlich damit argumentieren, dass sie nur versucht die Zeit realistisch darzustellen, aber dazu argumentiert sie mir hier ein bißchen zu sehr alà 'wenn es sein muss, muss es sein und hilft nur um Vorgefallenes wirklich zu verstehen'. Wo "gerecht" aufhört und sinnlos anfängt, ist aber eben schwer bestimmbar. Jedenfalls muss Jamie deswegen auch mal Clair ordentlich den Hintern versohlen (mit einem Gürtel), weil sie sich seinen Anweisungen widersetzt hat. Er erklärt ihr aber natürlich vorher, warum er das tut und wie richtig das jetzt ist - denn nur so wird sie ihren Fehler wirklich verstehen. Claire ist zwar wenigstens so weit, dass sie ihm droht ihn umzubringen, wenn er sie noch einmal anrührt, aber ansonsten sieht sie ihre gerechte Strafe durchaus ein. Was mir aber an ihrer Stelle viel mehr Sorgen machen würde ist, dass Jamie freimütig zugibt, dass ihn das Hintern versohlen  durchaus erregt hat und er sich zurückhalten musst, nicht gleich nachher über sie herzufallen. Heißt das nicht, dass Jamie etwas nah an der Grenze zum Sadisten steht und dass das ständig beschriebene Liebesspiel vielleicht bald eine etwas schmerzhaftere Wendung nehmen wird? Aber Claire ist nicht beunruihgt, also sind es wir auch nicht. Und wie gesagt: Eine gerechte Prügelstrafe, ist eine gute Form der Disziplinierung. Auch eine interessante Botschaft...


 





Vielleicht das Richtige für Menschen, die sich nach einer Zeit sehnen, als Männer noch richtige Männer waren... stark und ehrenvoll und ihre Liebe war feurig... Ich weiß, dass viele diese Serie wahnsinnig lieben, aber eigentlich kann ich von diesem Buch nur abraten.


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Eine sehr geniale Zusammenfassungen von jemanden namens Holly bei Goodreads... leider schaffe ich es nicht direkt auf ihre Review zu verlinken, nur auf ihr Profil....



Claire: I love my husband! I love sex!
Frank: But it's okay if you have sex with someone else, in certain circumstances.
Standing Stones: SUCK! Ha ha, you're in another time!
The Anti-Frank: Ooooh, I think I will rape you.
Claire: Eeek!
Clansmen: Scots to the rescue! Here, meet Jamie and his manly manhood.
Jamie: Och, aye, I'm a tough laddie. And I'm going to kill the Anti-Frank for beating the shit outta of me and raping my sister.
Claire: Ooooh, he's cute. Hey, wasn't I married?
Dougal: Ye have to marry the laddie to get away from the Anti-Frank.
Claire: Okay.
Dougal: And ye have to have sex wit' him.
Claire: Mmmmm.... but.... well, okay.
Jamie: I'm a virgin. Oooh, but I love sticking my manhood in ye. It's like a sacrament and all.
Claire: I should get back to Frank, I think I will take this opportunity to run away... I guess... sort of... meh.
The Anti-Frank: Ha ha! Found you. Now to rape you!
Jamie: Och, that's my wee lassie. First I'm going to rescue her, then I'm going to beat her for disobeying me. And then I'm going to tell her about how me Da beat me and how much I liked it.
Jealous wench: The village witch is looking for you.
Claire: Okay!
Villagers: She's a witch! Burn her!
Jamie: Over my dead body!
Claire: Honey, I have something to tell you. I'm not a witch but...
Jamie: Ye must go back!
Claire: I can't. I long for your manhood too much. It's a manhood like no other.
The Anti-Frank: I too long for your manhood. I think I will bugger you right after I crush your hand with a hammer. But, I love you. You remind me of my dead brother. Here's some grease.
Jamie: Ouch. Oooh, but that feels sort of good. Och, I'm so ashamed.
Claire: We must rescue Jamie! Send in the cows!
Jamie: OCH! Me hand! Just let me die!
Claire: Never! Let's go to France.
Jamie: Och, aye lassie, I feel much better now.
Father Anselm: God says it's okay that you're a bigamist.
Claire: Awesome. Time to use my foreknowledge of past events for good!
Diana Gabaldon: The sequel will be 900 pages.