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Sonntag, 3. November 2013

"Der Report der Magd" von Margaret Atwood



'By telling you anything at all I'm at least believing in you, I believe you're there, I believe you into being. Because I'm telling you this story I will your existence. I tell, therefore you are.'


Im Original heißt das Buch "The Handmaid's Tale" (erstmals 1986 erschienen) - ein um einiges geglückterer Titel. Ich finde hier die Übersetzung etwas schroff und ich glaube nicht, dass ich das Buch in der deutschen Übersetzung überhaupt gelesen hätte. Für mich klingt "Der Report der Magd" wie einer dieser reisserischen, historisch angehauchten Romane in denen es dann vor allem um Sex geht. Anscheinend gibt es auch eine Verfilmung des Romans unter dem Titel "Die Geschichte der Dienerin", was ich persönlich eine viel bessere Übersetzung finde.


Handmaid's Tale, Artist: Erin Mcuire



Es wird die Geschichte von Offred (zu deutsch "Desfred") erzählt, die eine "Magd" (Handmaid) in der Republik von Gilead, einer streng religiösen Gemeinschaft, ist. Sie lebt bei einem Commander und seiner Frau und abgesehen von kleineren Hilfstätigkeiten im Haushalt, besteht ihre Hauptaufgabe darin, sich einmal im Monat auf den Rücken zu legen und zu hoffen, dass der Commander sie schwängert. Fruchtbare Frauen sind aufgrund diffus angedeuteten Katastrophen rar und diejenigen die Kinder bekommen können, haben eine Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft. Aber Offred erinnert sich an eine Zeit davor, als sie verliebt war und eine Familie hatte und vor allem einen eigenen Namen, einen eigenen Job und Zugang zu Wissen...

'There is more than one kind of freedom, said Aunt Lydia. Freedom to and freedom from. In the days of anrachy, it was freedom to. Now you are being given freedom from. Don't underrate it.'

Die erste Hälfte des Buches hat mir eigentlich gar nicht gefallen, bis mich die Geschichte dann plötzlich nicht mehr losgelassen hat und ich den restlichen Roman mit einem Knoten in der Magengegend fertig gelesen habe.
Es dauert schon eine Weile bis man sich zurecht findet, da man mitten in die Geschichte stolpert, die aus Offreds Perspektive erzählt wird und man sich jedes kleine Stück Information zu dieser Gesellschaft in Gilead in mühsamer Kleinarbeit erlesen muss. Das ansich war mir aber gar nicht so unsympathisch - ich finde es durchaus gut, wenn einem Bücher nicht gleich alle Information auf der ersten Seite präsentieren (oder noch schlimmer, sich mit mühsam konstruierten Dialogen behelfen um möglichst alles nicht voraussetzbare Hintergrundwissen in einer Seite abzuhandeln).
Aber ab dem Zeitpunkt wo sich dann langsam ein Ganzes aus den Puzzelteilen bildet und sich die vermutete Absurdität dieser Gilead Republik bestätigt, schüttelt man erstmal den Kopf und hat vielleicht auch Gedanken wie "Welche böse, männliche Laus ist den Margaret über sämtliche inneren Organe gelaufen, dass sie denkt, dass so etwas möglich wäre oder von irgendjemanden - männlich oder weiblich - mitgetragen werden würde." Die Gesellschaft die Atwood hier beschreibt ist totalitär und frauenfeindlich.  Alle Frauen sind in eine Art Kastensystem von Ehefrauen,"Tanten" (Erzieherinnen), "Marthas" (Haushaltshilfen) und eben Handmaids unterteilt. Diese Handmaids werden einer Familie zugeteilt, wo die Ehefrau nicht fähig ist ein Kind zu bekommen. Einmal im Monat sind dann beide Eheleute und Handmaid im Schlafzimmer und während die Ehefrau die 'Dienerin' festhält, schläft der Mann mit ihr. So soll verhindert werden, dass die Handmaid sexuell aufgeladen wird; sie ist lediglich ein Gefäß für das erhoffte Kind. Vor allem bei dieser Bettszene schien mir das Buch ins Absurde abzurutschen: Man konnte nicht erkennen, wer von diesem System Vorteile haben sollte - es erscheint für alle Beteiligten schrecklich.
Erst als dieses scheinbar perfekt funktionierende System Risse bekommt und Schlupflöcher sichtbar werden, werden auch durchaus die Vorteile für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung klar und es läuft einen beim Lesen eine kalter Schauer über den Rücken. Gewisse Gedankengänge und Mechanismen scheinen plötzlich gar nicht mehr so weit hergeholt und extrem, sondern um einiges näher als einem lieb ist; es geht weniger um Frauenfeindlichkeit als Entmenschlichung. Das Buch erinnert mich stark an Orwells "1984" - weniger Science Fiction, sondern mehr eine mögliche Alternative, wenn mehrere falsche Abzweigungen genommen werden und wir als Menschen nicht höllisch aufpassen. Es ist ein Roman für die es sich absolut lohnt etwaige Anfangsschwierigkeiten zu überwinden.


"The Handmaid's Tale - Official Trailer (1990)






Sonntag, 8. September 2013

Vom Winde verweht...

von Margaret Mitchell (1936)



"Some people survive; others don't. What qualities are in those who fight their way through triumphantly that are lacking in those that go under? I only know that survivors used to call that 'gumption'.  So I wrote about people who had gumption and people who didn't."
Margaret Mitchell über "Vom Winde verweht"


Dieses Buch... dieses Buch... dieses Buch (bitte leicht bis stark hyperventilierend lesen, je nach persönlicher Disposition)... Dieses Buch ist schrecklich! Auf eine großartige, fesselnde und faszinierende Art und Weise. Ich hab die letzten zwei Kapitel durch geheult und davor war ich amüsiert bis verärgert bis... Margaret Mitchell hätte es sich so leicht machen können - eine romantische Geschichte vor der Kulisse eines Krieges. Stattdessen ist die Frau einfach schonungslos. Während ich dieses Buch gelesen habe, wollte ich eigentlich ständig darüber reden und war auch kurz versucht mehre Blogposts zu meinen turbulenten Emotionen in die Leere in des Internets zu schmeissen, wovon mich aber meine mangelnde Verbindung zu eben diesem Internet abgehalten hat. Deswegen jetzt ein paar konfuse Gedanken zu diesem 959 Seiten (in meiner Ausgabe) Wälzer in einem undurchdachten Blogpost.



"Vom Winde verweht" spielt in Georgia und beginnt kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg und endet eine Weile nach der Niederlage der Südstaaten. Es wird eine heile Welt von Plantagenbesitzern vorgestellt, die in einer "natürlichen" sozialen Ordnung einem strengen moralischen Ehrenkodex folgen, der nur wirklich Einheimischen vertändlich ist. Man lernt die verwöhnte und starrköpfige Scarlett O'Hara kennen, eine "southern belle" deren einziges Ziel es ist, möglichst viele Männerherzen zu sammeln und zu brechen ohne dabei viel Rücksicht auf ihre Umwelt zu nehmen.

"Scarlett O'Hara was not beautiful, but men seldom realized it when caught by her charm [...]
The green eyes in the carefully sweet face were turbulent, willful, lusty with life, distinctly at variance with her decorous demeanor. Her manners had been imposed upon her by her mother's gentle admonitions and the sterner discipline of her mammy; her eyes were her own."

Scarlett O'Hara ist eine sehr eigenartige Hauptperson. Wie Margret Mitchell es geschafft hat, so viele Seiten über diesen Charakter zu schreiben und ihr eigentlich nicht eine liebenswerte Eigenschaft zu geben, ist mir ein Rätsel. Hätte ich diese Buch geschrieben, so wäre ich sicher spätestens nach der Hälfte in die Knie gegangen und hätte Scarlett an Krieg und Verwüstung wachsen lassen um ihr dann, nach ein paar Kapitel voll Reue und Einsicht, ein gebührendes Happy End zu beschehren. Stattdessen weicht Mitchell nicht einen Millimeter von Scarletts am Anfang angedeuteten Charakter ab, mit einer Härte die man nur bewundern kann.
Ganz klar: Scarlett ist ein "survivor": Sie packt den Stier bei den Hörnern und sichert sich und anderen ohne Skrupel so das Überleben, wenn auch keinerlei Anerkennung oder Zuneigung. Ihr Motto ist "I won't think about it now" (um so auch später nicht darüber nachzudenken) und ihre Antriebsfeder ist Geld, wobei Geld bei ihr mit Sicherheit gleichzusetzen ist. Als Leserin versteht man, dass sie ein tiefsitzendes Kriegstrauma hat, aber Scarlett selbst ist nicht fähig sich so weit zu erkennen. Sie ist bereit zu lügen und jeglichen Trick anzuwenden um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Meist hat man das Gefühl, sie versteht wirklich nicht was Gut, was Böse und vor allem was Selbstlosigkeit ist. Daher konnte ich keine wirkliche Abneigung gegen sie entwickeln - ich konnte bei ihren Liebswirrungen aber auch kein großes Mitgefühl entwickeln, aber sie hat mich oft sprachlos gemacht und ich musste mehrmal meinen gedanklichen Hut vor ihr ziehen, einfach weil sie so ohne jegliche Konventionen ist.

Scarlett und die Liebe ist wieder so eine Sache, die ich in der Art eigentlich noch nie gelesen habe. Sie selbst meint wahnsinnig in AshleyWilkes von der Nachbarplantage verliebt zu sein und das eigentlich nichts anderes zählt als ihre großartige Liebe. Man kann sie dabei aber nur schwer ernst nehmen - schnell merkt man, dass Ashley einfach der Einzige war, der sie jemals zurückgewiesen hat (und nicht sie ihn). Ihre Persönlichkeit lebt auf, wenn sie Macht über andere (im speziellen Männer) hat und Ashley hat sich ihr entzogen bevor sie ihn ganz auf den Knien hatte. Es ist nicht so als wäre Ashley nicht auch zu Scarlett hingezogen, aber er heiratet nach Familienbrauch seine Cousine Melanie. Ashley ist während des ganzen Romans wichtig für Scarletts Motivation, aber eigentlich bleibt er selbst ziemlich farblos, was aber gut zu seiner Rolle paßt. Er beschreibt sich selbst als zu einer untergangengen Welt gehörend (eben den Südstaaten), als nicht überlebensfähig in der neuen Ordnung.

Hier ist die Szene* (die noch vor Kriegsbeginn spielt) in der Ashley Scarlett sagt, dass er Melanie heiraten wird und Scarlett auch das erste Mal auf Rhett Butler trifft...


Eine schöne Überleitung zu der eigentlich spannenderen Konstellation - Scarlett & Rhett.

Ein Liebespaar das irgendwie nie eines ist,  aber eigentlich unbedingt eines sein sollte. Obwohl Scarlett vielleicht daran die größere Schuld trägt, kann man ihr weniger Vorwürfe machen. Denn Scarlett ist nicht die hellst Glühbirne im literarischen Universum - sie sieht nur was genau vor ihrer Nase ist und komplexe zwischenmenschliche Emotionen sind etwas zu viel für ihr Köpfchen. Sie kann nicht zwischen den Zeilen lesen, manchmal fragt man sich ob sie überhaupt lesen kann.
Während Rhett Scarlett wahres Wesen schon sehr früh erkennt und sie genau deswegen liebt (was eventuell auch kein so positives Licht auf ihn wirft). Er ist der geheimnissvolle Rebell und Kriegsgewinnler, gut aussehend und gefährlich, der, ähnlich wie Scarlett, Leute leicht um den Finger wickeln kann, aber im Gegensatz zu ihr sich seiner selbst mehr bewußt ist und hin und wieder doch so etwas wie Gewissen erkennen lässt. Aber entweder ist es sein Stolz oder er hat Scarlett zu sehr durchschaut - jedenfalls ist auch Rhett Butler nicht fähig diese Liebsgeschichte zu einem glücklichen Ende zu führen. Es es ist eine Romanze voller falscher Momente und Mißverständnissen. Jedenfalls haben mich die beiden wirklich zum Weinen gebracht, wobei ich vielleicht mehr für Rhet geweint habe, weil ich mir bis jetzt nicht sicher bin, ob Scarlett sich selbst (und damit mich) wieder einmal hinters Licht geführt hat.

"I love you, Scarlett, because we are so much alike, renegades, both of us, dear, and selfish rascals. Neither of us cares a rap if the whole world goes to pot, so long as we are safe and comfortable."
Rhett zu Scarlett nach der Flucht aus Atlanta

Es gibt in dem Buch noch viele andere spannende und vielschichtige Persönlichkeiten, aber hier einen halbwegs nachvollziebaren Weg zu finden auf diese einzugehen, fällt mir gerade nicht ein und dafür ist hier auch vielleicht zu wenig Platz.
Ich möchte trotzdem noch etwas zu dem Thema Südstaaten und Sklaverei sagen - es gibt Kritik die "Vom Winde verweht..." eine Verharmlosung der Sklaverei und eine Verherrlichung der damaligen Gesellschaft vorwirft und dazu kann ich nur ja und nein sagen, obwohl eher nein. Es ist ein Abgesang auf die ehemalige Welt der Südstaaten, auf die Gentlemen und Ladies und ihre Tugenden. Gleichzeitg wird aber auch gezeigt, wie sehr an einer starren Ordnung festgehalten wird, die unfähig ist sich neuen Lebensumständen anzupassen. Es war eine Gesellschaft die sehr viel aus Gesten und Floskeln bestand und innen schon ausgehöhlt war.

"But, no matter what sight they had seen, what menial tasks they had done and would have to do, they remained ladies and gentlemen, royalty in exile - bitter, aloof, incurious, kind to one another, diamond hard, as bright and brittle as the crystals of the broken chandelier over their heads. The old days had gone but these people would go their ways as if the old days still existed, charming, leisurely, determined not to rush and scramble for pennies as the Yankees did, determined not to part with none of the old ways."

Die Sklavenhaltung wird mit keinem Wort direkt kritisch beschrieben, sondern als unabänderlicher Teil dieser Welt, aber gerade das macht es so spannend - für mich hat es so einen subtilen, innwohnenden Rassismus, der eben so wahnsinnig gefährlich ist. Nicht jeder Sklavenhalter hat seine Sklaven ständig ausgepeitscht, aber natürlich hat er sie als Untermenschen wahrgenommen - im besten Fall wie Kinder, auf die man aufpassen muss. Und das Buch zeigt auch gut, was mit Menschen passiert, die über längeren Zeitraum so behandelt werden  - nach dem Krieg und mit ihrer Befreiung sind viele ehemalige Sklaven verloren und wissen ohne tägliche Anweisungen nichts mit sich anzufangen. Das Buch ist rassistisch, weil die Zeit es war und als aufmerksame Leserin kann man hier viel über gewisse (bekannte) Mechanismen lernen.

Abschließend ist nur zu sagen, dass dieser Roman eine viel ausführlichere Besprechung verdient hätte (und es finden sich auch ein paar wunderbare im Netz), aber mir fällt es wahnsinnig schwer hier auch nur eine kurze und prägnante Inhaltsangabe zu schreiben (mehrer Versuche sind an zu großer Länge gescheitert). Eigentlich würde ich noch gerne so viel zu Melanie Wilkes, Scarletts Eltern und und und.. sagen, aber ich begnüge mich ein paar Schlaglichtern und hoffe, dass ich dieses Buch irgendwann einmal mit anderen lesen werde und wir dann stundenlang darüber sprechen können.






*Verfilmung "Vom Winde verweht..." aus dem Jahr 1939 mit Vivienne Leigh und Clark Gable






























Sonntag, 25. August 2013

Die Austen Abenteuer #3 - "Stolz und Vorurteil"


                                                                                            Die Austen Abenteuer


"In vain have I struggled. It will not do. My feelings will not be repressed. You must allow me to tell you how ardently I admire and love you.”


"Pride & Prejudice" beziehungsweise "Stolz und Vorurteil" ist wohl das bekannteste und beliebteste Werk von Jane Austen. Obwohl nicht mein persönlicher Favourit, kann ich leicht nachvollziehen, warum gerade diese Geschichte so populär ist. Jane Austen verweist hier Rosamund Pilcher und Konsorten wirklich auf ihren Platz.
Meine Meinung ist ja, dass die meisten Menschen, die romantische Geschichten ablehnen, einfach bisher das Falsche gelesen. Eine gute geschrieben Liebesgeschichte hat (wie eigentlich jedes andere Genre) nämlich Handlung - nachvollziehbare Handlunge mit Irrungen und Wirrungen. Man kann dann nämlich verstehen warum sich Person A in Person B verliebt und es wird nicht einfach so vom Erzähler auf Seite 153 so bestimmt. Es ist nämlich kein "die Blicke kreuzten sich und krawumm" ohne irgendeine weitere Ausschmückung der Sache. Bei Jane Austen wird wohl auch klar, dass oft die Umstände und nicht (nur) das Schicksal zwei einsame Herzen zusammenführen und die Charaktere erzeugen eine glaubwürdige Liebesgeschichte und nicht der Erzähler also solches.



Wordsworth Classics



"It is a truth universally acknowledged, that a single man in possesion of a good fortune, must be in want of a wife."

Man trifft auf Familie Bennet mitten in einem Streitgespräch zwischen Mrs. Bennet und ihrem Mann. Mrs. Bennet hat soeben erfahren, dass ein durchaus gut begüterter Junggeselle (Mr. Bingley) in die Nachbarschaft zieht und verlangt nun von Mr. Bennet, dass dieser sich unverzüglichst bei ihm vorzustellen hat, um dann im weiteren Verlauf der Bekanntschaft die fünf Töchter der Bennets dem Unverheiratetem zu präsentieren auf das er eine von diesen heiraten werde. Mr. Bennet verweigert sich diesem Ansinnen auf spöttische Art. Auf den ersten Seiten wird bereits klar: Hier sind fünf Töchter, die um jeden Preis und möglichst zügig unter die Haube kommen sollen. Vor allem Mrs. Bennet ist bestimmt von diesem Vorhaben:

"She was a woman of mean understanding, little information, and uncertain temper. When she was disontented, she fancied herself nervous. The business of her life was to get her daughters married; its solace was visiting and news"
 
Bei einem Ball trifft dann die Familie Bennet auf den so viel besprochenen Mr. Bingley, der sich als durchaus charmant erweist und vor allem der ältesten Tocher Jane einiges an Aufmerksamkeit zukommen lässt. Mr. Bingley ist jedoch nicht allein gekommen - sein bester Freund Mr. Darcy und seine Schwestern sind mit von der Partie und hinerlassen mit ihrem arrogantem Benehmen keinen so vorteilhaften Eindruck. Speziell Lizzy Bennet muss sich anhören, wie Mr. Darcy sie als eher mittelmäßige Schönheit beschreibt mit der auf keinen Fall tanzen möchte.

Elizabeth "Lizzy" Bennet ist auch die weibliche Hauptperson in "Stoz und Vorurteil". Scharfzüngig und mit mit einem eigenen Willen ausgestattet, entzieht sie sich den mütterlichen Vorstellungen und wird dafür vor allem von ihrem Vater geliebt. Während Lizzy aufgrund Willenstärke von mir durchaus geschätzt wird, kann ich sie leider nicht wirklich mögen. Obwohl sie im Lauf der Geschichte ihre eigenen Vorstellungen durchaus überdenken und korrigieren mus, ist sie für mich streckenweise etwas zu überzeugt von ihrer eigenen Überlegenheit, die manchmal fast an Boshaftigkeit grenzt.
Ihr - wie könnte es anders sein - "love interest" ist Mr. Darcy und Mr. Darcy ist wahrscheinlich eine der gelungensten romantischen Helden der Literatur. Die Verehrung von Mr. Darcy von weiblichen Jane Austen Fans ist schier grenzenlos und hat wahrscheinlich die meiste "Fanfiction" überhaupt inspiriert. Mr. Darcy ist auch derjenige der am meisten "Stolz & Vorurteil" zu überwinden hat. Er fühlt sich bald zu Lizzy und ihrer klugen und unabhängigen Art hingezogen, will sich dies aber anfangs kaum eingestehen - zu minder erscheint ihre soziale Stellung und zu unangebracht das Verhalten ihrer Familie. Er geht sogar so weit einen Keil zwischen die aufkeimende Liebe zwischen seinem Freund Mr. Bingley und Lizzys älteren Schwester Jane zu treiben. Nachdem ihm Lizzy - wenn auch vielleicht ungerechtfertigt - sein aus ihrer Sicht arrogantes Wesen vorwirft, beginnt bei Mr. Darcy ein Umdenkprozess, der vor allem dann Wert gewinnt als er im Hintergrund der Familie Bennet aus einem doch größeren sozialen Skandal hilft, den Lizzys jüngere Schwester Lydia verursacht hat.
Lydia Bennet ist nun ein wirklich unmöglich zu mögendes Mädchen, aber ein unverzichtbarer "Motor" für die Handlung. An ihr zeigt sich auch, dass die mütterliche Erziehung mit dem alleinigen Fokus auf Heirat sehr viel Schaden anrichten kann. Lydias Hauptbeschäftigung ist vor allem Männerjagd und ohne jegliche moralische Führung läuft sie dabei fast in ihren eigenen Untergang - wobei sie selber ihre Fehler eigentlich nicht erkennt. Aber sie gibt Mr. Darcy die Möglichkeit als strahlender und (um ihn noch liebenswerter zu machen) demütiger Retter aufzutreten.

Zum Abschluss soll noch eine meiner persönlichen Favoritinnen erwähnt werden - es kommt jetzt zur Verleihung des Oscars für die beste Nebendarstellerin: Lizzys beste Freundin Charlotte Lucas. Charlotte ist eigentlich schon als alte Jungfer abgeschrieben, hat sie doch mit ihren 27 Jahren noch immer keinen Ehemann. Sie entscheidet sich aus Vernunftgründen zu einer Ehe mit einem Mann, dem sie keine Liebe entgegenbringt, aber der sie gut behandeln wird. Lizzy kann Charlottes Entscheidung nicht nachvollziehen, aber für Charlotte ist diese Heirat nicht nur die Möglichkeit zur Gründung eines eigenen Haushalts, sondern vor allem eine soziale und finanzielle Absicherung, die sie sich mit Vernunft und Genügsamkeit so angnenehm wie möglich gestaltet.
Charlotte Lucas soll hier das abschließende Argument für Jane Austens Talent zur romantischen Erzählung mit Herzklopfen und realistischer Handlung sein - sie vergißt auch nicht die Charlotte Lucase dieser Welt zu erwähnen, die nicht vom Prinzen auf dem weißen Ross aus dem heimischen Gmüsegarten gepflückt wurden und auch ein Leben haben.



“I must learn to be content with being happier than I deserve.”











Mehr Jane Austen: Jane Austen's World



*Eine bösartige Vermutung von mir ist, dass das der Grund ist warum gerade so viele übernatürliche Vampir etc. Romanzen boomen - oft der leichteste Ausweg um irgendeine Art Handlung zu erzeugen.

Sonntag, 21. Juli 2013

Brideshead Revisited von Evelyn Waugh



Wiedersehen mit Brideshead...




Selten hat mich ein Buch so verwirrt zurück gelassen wie dieses. Ich habe es in einem Schwung mit großem Vergnügen und Schaudern gelesen, aber ich kann die Frage, worum es in der Geschichte nun eigentlich geht, nicht wirklich beantworten. Ich habe auch etwas halbherzig in den Weiten des Internet gestöbert und die meisten Interpretationen beziehen sich auf die Suche und Umgang mit dem (katholischen) Glauben oder es wird die vermeintlich homosexuelle Liebesgeschichte betont.
Das die christliche Gesinnung in der katholischen Spielart Dreh- und Angelpunkt ist, wird eigentlich durch Evelyn Waughn selbst bestätigt, hat er sich doch in diesem Sinn zu seinem Werk geäußert und schließlich ist er selbst zum Katholizismus konvertiert. Falls er aber ein positives Plädoyer schreiben wollte, dann ist das bei mir sehr daneben gegangen. Am ehesten sehe ich hier noch das Protrait einer Familie, die durch die lange Tradition und Erziehung im katholischen Glauben in Verbindung mit dem typisch erscheinenden Gebaren der adeligen Oberschicht, langsam aber sicher zerbricht und in sich erstarrt.



Das Buch erzählt die Geschichte der adeligen Familie Marchmain aus den Augen des Erzählers Charles Ryder, über den man, obwohl Hauptprotagonist, hauptsächlich etwas in Verbindung mit den Marchmains erfährt.
Charles lernt den jüngeren Sohn der Familie - Lord Sebastian Flyte- in seinem ersten Jahr an der Universität in Oxford kennen und verbringt mit ihm und seinen exzentrischen Freunden eine wundervolle Zeit. Er liebt Sebastian (ob platonisch oder nicht sei hier dahin gestellt), wundert sich aber immer darüber, dass er  kaum etwas über seine Familie erzählt und auch ganz offensichtlich versucht jeglichen Kontakt zu vermeiden. Von großer Bedeutung ist, dass Sebastians Familie katholisch ist und sich Lord Marchmain von seiner Frau getrennt hat und mit seiner Geliebten in Italien lebt. Lady Marchmain wiederum scheint eine Art Heilige zu sein, die mit großem Einfluß und Unfehlbarkeit über ihre Familie wacht.

'Yes, but it's all the bother - mummy and Bridey and all the family and the dons. I'd sooner go to prison. If I just slip away abroad they can't get me back, can they? That's what people do when the police are after them. I know mummy will make it seem she has to bear the whole brunt of the business.'
(Sebastian zu Charles, nachdem sie nach einer Sauftour, betrunken mit Prostituierten von der Polizei aufgegriffen wurden) 

Charles lernt dann doch Sebastians Familie kennen und kann sich vor allem der Mutter nicht entziehen. Währendessen entgleitet Sebastian aber immer mehr und ergibt sich ganz seinem schon früher angedeuteten Alkoholismus, der sich nun nicht mehr verbergen lässt. Lady Marchmain entwirft einen Plan, wie Sebastian wieder unter Kontrolle zu bekommen ist und will dabei auch Charles Hilfe, die er ihr aber verweigert. Es kommt zum unweigerlichem Bruch mit Sebastian und seiner Familie.

Nachdem Charles sich als Architekturmaler etabliert hat, heiratet er und bekommt zwei Kinder. Nach einem längeren Forschungsaufenthalt, tritt er mit seiner Frau (die extra angereist ist) die Schifffahrt nach Europa an. Auf demselben Schiff befindet sich auch Julia, Sebastians Schwester, die sich in Trennung von ihrem Ehemann befindet. Ein Sturm bringt die beiden näher zusammen und sie verlieben sich ineinander. Beide wollen sich scheiden lassen um dann einander zu heiraten. Nachdem aber Lord Marchmain aufgrund schwerer Krankheit nach England zurückkehrt und am Totenbett wieder zu seinem katholischen Glauben findet, wird auch Julia in eine tiefe Sinnkrise gestürzt. Sie fühlt sich von ihrem Glauben bestimmt und denkt nicht, dass sie ein Leben als wiederverheiratete Geschiedene führen kann und verlässt Charles.
Das Schicksal vom familiären Glauben nicht loszukommen scheint der ganzen Familie bestimmt zu sein: Sebsastian, durch seine Trunksucht im Sterben liegend, hat Zuflucht in einem Kloster gefundenen und die jüngere Schwester geht vollkommen in der Ausübung christlicher Nächstenliebe auf. Das Buch beginnt und endet im Frühjahr 1943 (oder 1944) - Charles ist bei der Armee beschäftigt und findet sich plötzlich am Familiensitz der Marchmain - Brideshead - wieder, welches für militärische Zwecke genützt wird. Zum Abschluss besucht er die dazugehörige Kapelle um dort zu beten.

'There was one part of the house I had not yet visited, and I went there now. The chapel showed no ill effects of its long negelects; the art-nouveau paint was as fresh and bright as ever; the art-nouveau lamp burned once more before the altar. I said a prayer, an ancient, newly-learned form of words, and left, turning towards the camp...'

Wie bereits angeprochen, fällt es mir schwer hier das große Thema anzusprechen. Der Roman hat bei mir hauptsächlich ein Gefühl ausgelöst beziehungsweise hinterlassen, welches ich nicht richtig benennen kann. Anstatt hier also ein Großes und Ganzes zu präsentieren, kann ich  nur mit Einzelteilen aufwarten, die vielleicht keine Summe ergeben.

Zu allererst: es ist streckenweise ein sehr lustiges Buch, speziell am Anfang. Die ersten Begegnungen zwischen Sebastian und Charles sind exzentrisch und komisch. Die Unterhaltungen zwischen Charles und seinem Vater (als Charles eher unfreiwillig in den Ferien etwas Zeit bei ihm verbringt) haben mich laut zum Lachen gebraucht.
Charles selbst hat mich immer mehr kalt gelassen, was aber auch irgendwie mit seiner Entwicklung korespondiert. Ich mochte Charles zu Beginn aufgrund seiner großen Zuneigung zu Sebastian. Er wollte Zeit mit ihm verbringen und Teil seines Lebens sein. Er war verletzt, wenn Sebastian ihn ausschloß. Das ließ Charles selbst liebenswerter sein. Im Lauf der Geschichte, nachdem Sebastian die Bühne verlassen hatte, war Charles aber eigentlich immer kühler ohne Bezug zu einer anderen Person. Auch seine Liebe zu Julia wirkte nicht so intensiv wie die zu Sebastian (auch wenn er beide immer wieder miteinander vergleicht).
Die Gefühlskälte in diesem Roman war für mich überhaupt sagenhaft. Sebastian ist zum Beispiel eine Figur für die ich die ganze Zeit stark mitgefühlt habe. An irgendetwas zerbricht dieses aristokratische Geschöpf, sei es an seinem katholischen Glauben oder seiner Familie oder an beidem zusammen. Seine Flucht in den Alkohol wird von seiner Familie erst als ein Problem anerkannt, als es zu "Peinlichkeiten" kommt. Sebastian muss irgendwie unter Kontrolle bekommen werden und dafür wird ein Babysitter engagiert, der auf ihn aufpassen soll. Damit hat man das Ganze dann erledigt. Die Distanziertheit und das egoistische Interesse, das einem da in den Dialogen entgegenschlägt ist eines der großartigsten und widerlichsten Dinge, die ich je gelesen habe.
Deswegen verstehe ich das katholische Thema des Romans nicht. Es ist anzunehmen, dass Evelyn Waugh aufgrund seines persönlichen Bekenntnis, ein postives Bild dieser Glaubenspielart darstellen wollte. Aber die Religion wirkt hier nicht wie eine Stütze, sondern wie eine Art Auflage, die erfüllt werden muss und man versucht sich zu befreien, kämpft dagegen an, kehrt aber am Schluß wieder in den Mutterschoß der katholischen Kirche zurück - weil man ist, was man ist. Deswegen wird nicht unebdingt das eigene Leben schöner oder man selbst zum besseren Menschen, aber die Regeln müssen befolgt werden. Es ist etwas für Außentehende Unbegreifliches, ein Kodex, dem man sich fügen muss.

Trotz all dieser Fragezeichen und Leerstellen war "Brideshead Revisited" ein großartiges Buch. Warum genau, weiß ich leider nicht.



Evelyn Waugh, Brideshead Revisited, erstmals 1945 erschienen












































Montag, 20. Mai 2013

Die Austen Abenteuer #2 - "Verstand und Gefühl"






                                                                                                          Die Austen Abenteuer...



oder "Was würde Elinor Dashwood tun?"


"Sense & Sensibility" beziehungsweise "Verstand & Gefühl" ist das Zweite von Jane Austen geschriebene Buch und sie macht hier doch einen ziemlich komplexen Sprung in der schriftstellerischen Weiterentwicklung im Vergleich zu Northanger Abbey.

"I considered the past: I saw my own behaviour, since the beginning of our acquaintance with  him last autumn, nothing but a series of impudence towards myself, and want of kindness to others. I saw my own feelings had prepared my sufferings, and that my want of fortitude under them had almost led me to the grave" (Marianne Dashwood)



Pinguin Classics; Gestaltung Coralie Bickford-Smith
In dem Roman geht es vor allem um das Geschwisterpaar Elinor und Marianne Dashwood. Zu Beginn werden wir mit ihren veränderten Lebensumständen konfrontiert: Ihr Vater ist plötzlich verstorben und obwohl dieser durchaus gut situiert war, sind die beiden, inklusive ihrer Mutter und der kleineren Schwester, nun auf sehr magere Mittel angewiesen. Aufgrund den Bestimmungen und Vorstellungen der damaligen Zeit, dass ein erstgeborener Sohn immer mehr Rechte hat, wird alles ihrem Halbbruder John Dashwood vermacht. Der Vater ringt diesem zwar am Todesbett noch das Versprechen ab, sich um seine Familie zu kümmern, doch Geiz und seine Frau lassen ihn dieses Versprechen bald vergessen.
Die Familie lebt noch eine Weile mit John auf dem familiären Anwesen, da sie so plötzlich keine neue Unterkunft finden können. Während ihres Aufenthaltes kommt der Bruder, Edward, von Johns Ehefrau Fanny zu Besuch und es wird offensichtlich, dass Elinor und Edward von Tag zu Tag immer mehr Gefallen aneinander finden. Diese Bindung von Seiten seiner Familie strikt abgelehnt, wie Fanny Elinors Mutter deutlich macht. An dem Tag, als Elinor mit ihrer Familie Richtung neue Heimat zieht, hat Edward noch immer nicht den entscheidenden Schritt gewagt und obwohl Elinor sich seiner Liebe sicher ist, gibt es doch keine Gewißheit.
Elinor und ihre Familie bekommen von einem anderen Verwandtschaftszweig das Angebot ein kleines Cottage zu mieten.  Die Dashwoods nehmen diese Gelegenheit wahr und ziehen in eine komplett fremde Gegend und werden dort aber sehr herzlich aufgenommen. Marianne macht hier dann schon bald ihre erste Eroberung  - Colonel Brandon scheint vom ersten Augenblick sehr von ihr fasziniert zu sein, stößt dabei aber auf wenig Gegenliebe. "Zu alt" ist das klare Urteil der 17 jährigen Marianne gegenüber einem Mann über 30. Außerdem trifft Marianne nach einem kleinen Unfall auf Willoughby, einem gut aussehenden und stürmischen Charakter ganz nach Mariannes Geschmack, der ihr Herz sofort erobert. Ihre Umgebung erwartet ganz klar einen baldigen Hochzeits Termin, doch  Willoughby bricht eines Tages seinen Aufenthalt unvermittelt ab, ohne klare Tatsachen zu schaffen.
Beide Dashwood Mädchen werden also in ähnlichen Situationen zurück gelassen und beide müssen noch einige unschöne Entdeckungen und Erfahrungen machen, doch gehen sie damit gänzlich unterschiedlich um...

Das große Thema dieses Romans ist ganz deutlich Verstand versus Gefühl und dabei ist Elinor Verstand und Marianne ist Gefühl. Beide befinden sich in ähnlichen Situationen, doch während Marianne auf sehr dramatische Weise ihrer Freude und auch ihrer Trauer freien Lauf lässt und somit alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, leidet Elinor sehr leise. Sie wird gezwungen aus ihrem Schmerz  ein Geheimnis machen, teils aufgrund eines Verprechen, teils  aus Rücksicht auf ihre Familie. Als Leserin mocht ich beide Mädchen, obwohl man mehr Sympathien mit Elinor hat, als mit Marianne (die ohnehin schon von allen beachtet wird). Ich glaube auch Jane Austen hat ihre Elinor sehr gemocht und das fühlt man einfach beim Lesen. Wobei sie die unterschiedlichen Charaktere sich sehr gekonnt in den Verlauf der Geschichte wiederspiegeln - Marianne nimmt sehr viel Platz ein, während Elinors Geschichte sehr viel ruhiger und subtiler nebenher verläuft. Was mich sehr fasziniert und auch (neben meinem romantischen Herz) eine der Hauptgründe dafür ist, warum ich dieses Buch so sehr liebe, ist, dass die Beziehung zwischen Elinor und Marianne so wundervoll ist und dass es eigentlich mehr um diese beiden Mädchen/Frauen und ihre Entwicklung geht, als um romantische Verwicklungen. Beide Figuren brauchen keinen männlichen Konterpart um interessant zu sein. Eine meiner Lieblingszenen des Buches ist relativ am Schluß, in der sich Marianne bei Elinor für ihr Verhalten entschuldigt. Wobei ich nicht denke, dass Jane Austen hier nur ein Plädoyer für den "Verstand" geschrieben hat, sondern es durchaus auch dafür einmal laut seine Gefühle zu zeigen. Ich war als Teenager sicher mehr ein Marianne (zum Beispiel hatte ich mit meinem Liebesleben mit 16 abgeschlossen, da mich der Auserwählte so gar nicht beachtet hat und sich ein zweites Mal zu verlieben für mich nicht in Frage kam. Schließlich liebt man nur einmal, nicht wahr) und inzwischen versuch ich mehr eine Elinor zu sein. Aber Mariannes Euphorie und ungefiltertes Erleben muss und soll auch einen Platz haben.

"... and she thought with the thought with the tenderest compassion of the violent sorrow which Marianne was in all probability not merely giving way to as a relief, but feeding and encouraging as a duty."

Den einzigen Minuspunkt gibt es von mir für Colonel Brandon, der ja anscheinend von Anfang an Marianne verfallen ist. Man erfährt von seinem Gefühlszustand hauptsächlich durch andere, da er selbst eher von der ruhigeren Sorte ist. Es hat sich für mich während der ganzen Geschichte nicht erschlossen, warum gerade er Marianne so bevorzugt - speziell nachdem man mehr über Brandon erfährt und wie es zu seinem eher melancholischen Charakter kam. Es wäre für mich persönlich nachvollziehbarer gewesen, wenn er zwar besonderen Anteil an ihrem Schicksal genommen hätte, aber nach seinen eigenen Erfahrungen und weil er hauptsächlich  mit Elinor Zeit verbringt (notgedrungen, da Marianne nicht an ihm interessiert ist), hätte er eigentlich logischerweise Elinor sein Herz schenken müssen. Aber das hätte die ganze Geschichte durcheinander gebracht und am Schluß werden beide Dashwood Schwestern bekommen, was sie sich wünschen. Darauf kann man sich bei Jane Austen verlassen und das ist auch gut so.

Jedenfalls eine große Empfehlung von mir und alle für die Northanger Abbey vielleicht etwas zu simpel gestrickt war, können sich hier auf eine etwas komplexere Handlung freuen.

Falls jemand Lust hat sich etwas über die Zeit in der Jane Austen gelebt hat zu informieren - hier eine wunderbare Seite: Jane Austen's World























Sonntag, 14. April 2013

Es kann nur einen Bond geben...





Casino Royale ist der erste Band der James Bond Reihe von Ian Fleming und auch das erste Bond Buch, welches ich gelesen habe und ich muss sagen, ich bin positiv überrascht.
Es ist natürlich Bond und das heißt unvermeidlich schöne Frauen, schnelle Autos, viel Geld und eine nicht allzu komplizierte Handlung. Zumindest hier im ersten Band.
Trptzdem finde ich das Buch um einiges gelungener als die Filme. Ich muss das jetzt hier so grob vergleichen, weil ich ehrlicherweise in meinem Kopf einen Brei aus den verschiedenen Bond Filmen habe, weil mich die eigentlich nie so begeistert haben. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich die Verfilmung von Casino Royale jemals gesehen habe.
Fleming schreibt sehr spannend und Bond gerät hier auch wirklich in Gefahr. Zwar nicht durch irgendwelche absurde, von größenwahnsinnigen Schurken geplanten Fallen, sondern durch ziemlich einfach umzusetzende, aber dadurch nicht minder grausame Folter. Auch die Beziehung zur obligatorischen Frauenperson ist etwas komplexer, als die Happy-End-Vereinigung der diversen Bond Filme.

Bond scheint auch keine rein "gute Figur" zu sein. Bei mir bleibt der Eindruck als würden sich die positiv besetzen Figuren in dem Roman vor allem durch ihren makellosen Stil hervorheben, während die Bösewichte doch einige Mängel in der Ästhetik vorweisen. Ansonsten sind Bond und Schurke fast auf der gleichen Ebene. Bond ist nicht unbedingt der Lebemann, wie er zumindest in den früheren Verfilmungen dargestellt wird, sondern er wird vor allem als Maschine beschrieben, der eiskalte Arbeitsmoral schon einmal seine Umgebung vor den Kopf stösst.

Ich werde jedenfalls sicher weitere Bond-Bücher lesen und empfehle Casino Royal für Krimi Freunde, die Interesse haben sich einmal möglichst sanft, aber auf gutem Niveau, aufs Spion-Genre einzulassen, wo Spannung durch die Jagd aufgebaut wird und nicht durch das Aufdecken des Schuldigen. Und man muss die Verfilmungen nicht unbedingt mögen.

Mittwoch, 3. April 2013

Drei Männer im Schnee von Erich Kästner





Erich Kästner 1899 - 1974




Eine weiter Empfehlung in Sachen "Wohlfühl-Bücher". Erich Kästner steht bei mir sowieso hoch im Kurs, obwohl ich grundsätzlich seine Kinderbücher bevorzuge. Trotzdem beweisen "Drei Männer im Schnee" alle grundsätzlichen Kästner Qualitäten.







Es ist eine Verwechslungskomödie, die hier beschrieben wird (und auch 1955 verfilmt wurde). Ein Millionär will sich von den Fesseln seines Standes befreien und macht anonym bei seinem eigenem Preisausschreiben mit. Als Zweitplazierter gewinnt er einen Aufenthalt in einem Nobelhotel in den Bergen. Eigentlich genau den gleichen Preis wie der Gewinner: ein arbeitsloser Werbertexter namens Fritz Hagedorn.
Der Millionär Tobler macht sich nun als armer Mann verkleidet auf die Reise. Sein Diener (so ganz ohne gehts wohl nicht) kommt mit ihm auf die Reise, getarnt als reicher Unternemer und unter strengster Auflage seinen Brotherrn nicht zu helfen. Jedenfalls geraten Toblers Tochter und seine Haushälterin in Panik und warnen das Hotel vor dem verkleideten Millionär. Es kommt, wie es kommen muss - der arbeitslose Hagedorn wird für den Millionär gehalten. Die drei Männer aber freunden sich schnell an und bieten den Unverschämtheiten und Bevorzugungen gemeinsam die Stirn.


Ernst Ludwig Kirchner, Davos im Schnee


Das beruhigende (und vielleicht auch die Schwäche) an der Erzählung ist, dass alle wichtigen Personen das Herz am rechten Fleck haben. Es ist alles recht zuckerlrosa und wolkig und falls jemand sozialkritische Töne erwartet, dann wird man hier enttäuscht. Der Millionär erfährt zwar, dass arme Personen in Luxushotels unerwünscht sind und nicht gerade wohlwollend behandelt werden, aber er fängt deswegen nicht an revoltionäres Gedankengut zu hegen. Er persönlich ist ja nicht so und außerdem ist er ja eigentlich reich und hat die pekuniären Möglichkeiten sich noch an dem garstigen Portier und Hoteldirektor zu rächen (wenn er möchte). Der bitterarme Dr. Hagedorn hat sich trotz seiner Sorgen den Humor bewahrt und wird jetzt gleichsam mit dem "reichen Onkel aus Amerika" belohnt, denn natürlich gibt ihm Tobler (bevor Hagedorn überhaupt weiß, dass Tobler Tobler ist) eine Stelle in seinem Konzern. Und die Tochter gleich dazu. Und alles ist gut. Ein schönes Detail ist übrigens die liebevolle Beziehung zwischen Hagedorn und seiner Mutter (anscheinend war auch Erich Kästner ein Mutterkind).

Das klingt jetzt ja so, als hätte mir das Buch nicht gefallen, obwohl das gar nicht der Fall ist. Es ist was es ist - ein "Lustspiel". Das Schöne ist ja gerade das, dass die Guten sich ins Fäustchen lachen, während die reichen Damen und arroganten Hotelangestellten auf die Naste fallen. Man mag die Figuren Tobler, Hagedorn und Co einfach und die Dialoge sind charmant und witzig. Eine Art Witz den man in der deutschen Literatur selten findet - wobei ich mich dabei gerne korrigieren lasse.
Deswegen die Einordnung in die Kategorie "Wohlfühl-Bücher": Sich einfach unterhalten lassen und die eigene Hoffnung bestärken, dass wenn man immer zu allen nett ist, irgendwann ein Millionär dabei ist, der uns mit Arbeit und Tochter versorgen will. Wahlweise natürlich auch Sohn. Aber damit nehme ich es nicht so genau.




Erich Kästner, Drei Männer im Schnee, 1934












Samstag, 30. März 2013

Die Austen Abenteuer #1 - Northanger Abbey



Die Austen Abenteuer...



Northanger Abbey ist eigentlich der erste Roman von Jane Austen, wurde aber zu ihren Lebzeiten nicht publiziert, sondern erst posthum. Ich empfehle Austen Neulingen aber durchaus in der "richtigen" Reihenfolge anzufangen, da Northanger Abbey alle Elemente eines Austen Romans hat und vom Handlungsablauf her gut nachvollziehbar ist, mit leicht zu mögenden (und genau so leicht abzulehnenden) Charakteren.

"No one who had ever seen Catherine Morland in her infancy would have supposed her born to be a heroine."

Pinguin Classics
Der Roman ist vor allem eine Geschichte über das Erwachsen werden. Im Mittelpunkt steht Catherine Morland, 17 Jahre, die in einer winzig kleinen englischen Kleinstadt aufgewachsen ist, wo nie etwas Aufregendes passiert - alles was Catherine vom Leben angeblich weiß hat sie aus Romanen.
Eines Tages ladet das Ehepaar Allen Catherine ein, sie mit nach Bath* zu begleiten und damit kommt sie endlich in Berührung mit der richtigen Welt.
In schneller Folge lernt Catherine in Bath Mr. Henry Tilney und dann etwas später Isabella Thorpe kennen, mit der sie sich schnell anfreundet. Und damit hätten auch alle handelnden Personen mit ihren Familien die Bühne betreten. Für Mr. Tilney - wie kann es anders sein - entwickelt Catherine schnelle eine große Zuneigung und er macht sich wunderbar als "love interest". Charmant, witzig und liebevoll beweist er sich als wahrer Gentleman. Kritik erfährt Mr. Tilney von manchen Lesern für seine teilweise belehrende Art - mich hat das weniger gestört, bedenkt man wie naiv und unschuldig Catherine ist. Schnell merkt man wie wenig Vorbilder Catherine in ihrem Leben hat beziehungsweise wie sehr eine wohlmeinende Freundin fehlt. Und Mr. Tilney ist bei seinen Belehrungen nie herablassend. Besonders interessant finde ich es, dass er es oft sehr genau mit der Ausdrucksweise nimmt und auf der richtigen Verwendung von Wörtern besteht.
IsabellaThorpe ist das Gegenstück zu Catherine. Affektiert, künstlich und auch skrupellos, verfolgt sie ihre eigenen Interessen. Auch im Kontakt mit ihr merkt man Catherines Reifungsprozess. Es lässt sich gut verfolgen, wie ihr nach anfänglicher Verwirrung über Isabells Widersprüchlichkeit, langsam ein Licht aufgeht und sie lernt sich mehr auf ihr eigenes Urteilsvermögen zu verlassen. Die Liebe zwischen Henry und Catherine muss natürlich auch noch ein großes Hinderniss überwinden, aber darauf näher einzugehen würde das Erstlesevergnügen unnötig schmälern...

Northanger Abbey ist eines meiner Lieblingsbücher von Jane Austen (eigentlich sind alle Austen-Bücher meine Liebelingsbücher, aber in einer schwach abgestuften Rangfolge liegt Northanger immer auf einem der Spitzenplätze). Catherine ist ein Charakter der zeitlos ist - es wird immer verträumte und romantische Teenager geben, die sich Schritt für Schritt an ein paar unangenehme Wahrheiten gewöhnen müssen. Und es ist eine realistische Liebesgeschichte, ohne an den Haaren herbeigezogenen Problemen oder zu überzeichneten Schurken. Obwohl es Jane Austen für mich persönlich mit dem Realismus fast übertreibt, wenn sie schreibt...

"Henry was now sincerely attached to her, though he felt and delighted in all the excellencies of her character and truly loved her society, I must confess that his affection originated in nothing better than gratitude, or, in other words, that a persuasion of her partiality for him had been the only cause of giving her a serious thought."

Es entspricht zwar durchaus der Erfahrung, dass oft das Interesse geweckt wird, wenn man das Gefühl hat, die andere Person hat für einen selbst Feuer gefangen (siehe Beatrice und Benedick aus Shakespear's "Much Ado About Nothing"), aber trotzdem blutet mir da mein romantisches Leserherz doch ein wenig.







Wunderbar sind übrigens auch die "Small-Talk-Szenen" in der Geschichte - diese wunderbaren Gespräche auf den Bällen und bei den Spaziergängen, wo jede und jeder sich möglichst vorteilhaft schildert und der anderen Person kaum zuhört.

Jane Austen beschäftigt sich übrigens in dem Buch auch mit dem Genre in dem sie schreibt. Nicht nur sind Catherine und Isabella leidenschaftliche Leserinnen von Ann Radcliff (vor allem "The Mysteries of Udolpho"), auch in den Gesprächen lässt sie immer wieder das Thema aufkommen und meist reagieren die Männer abfällig gegenüber dieser sinnlose Beschäftigung. Jane Austen nimmt sich hier durchaus Raum um das Lesen von Romanen zu verteidigen und macht sich daüber lustig, dass wohl alle diese Bücher lesen, aber niemand es öffentlich zugibt. In einer meiner Lieblingszenen in Northanger Abbey gesteht Mr. Tilney auch solche Bücher zu lesen und gibt freimütig zu "The Mysteries of Udolpho" quasi verschlungen zu haben - I remember finishing it in two days - my hair standing on end the whole time.
Ich meine aber auch leise Kritk an der Unwahrscheinlichkeit mancher Handlungsabläufe solcher Schauerliteratur zu erkennen, da Catherine im Laufe der Geschichte erkennen muss, dass im realen Leben kaum finstere Komplotte mit Ehefrauen in Verliesen geschmiedet werden und das andere Probleme vorherrschend sind.




"Yes, novels; for I will not adopt that ungenerous und impolitic custom so common with novel-writers, of degrading by their contemptuous censure the very performance, to the number of which they are themselves adding - joining with their greatest enemies in bestowing the harshest epithets on such works, and scarcely ever permitting them to be read by their own heroine, who, if she accidentally take up a novel, is sure to tunr over its inisipid pages with disgust. Alas! If the heroine of one novel be not patronized by the heroine of another, from whom can she expect protection and regard?"










*Bath war der klassische Sommerfrische Ort und ist noch immer ein Urlaubsziel. Alle Welt war im Sommer dort - vergleichbar vielleicht mit Bad Ischl in Österreich in der Monarchie.

Donnerstag, 17. Januar 2013

e-book Lesevergnügen #1



Ich bin nun seit circa einem dreiviertel Jahr Besitzerin eines e-book readers... elekronischen buch lesegeräts?... namens Kindle und muss sagen, dass ich schwer begeistert bin. Es hat zwar ein Weile gedauert, bis ich mich an das andersartige Lesegefühl gewöhnt hatte, aber dann gab es kein halten mehr. Ich glaube allerdings nicht, dass diese Form des Lesens das gedruckte Buch in irgendeiner Form ablöst, sondern das beide gleichwertig nebeneinander existieren können. Ich könnte mir nur vorstellen, dass der Buchmarkt noch mehr an optischen Reizen arbeitet und spezielle Sammlereditionen herausbringt um so den Kauf eines tatsächlichen Buches interessanter zu machen. Aber wichtig ist doch vor allem der Inhalt und der ändert sich ja nicht. Außerdem ist das Ding furchtbar praktisch, wenn man gerade einen finanziellen Engpass durchläuft - die elektronischen Ausgaben sind meist billiger beziehungsweise sind gewisse Klassiker gratis, vor allem englischsprachige. Wobei ich zwar glaube, dass es sich gerade bei Klassikern auszahlt diese in Buchform zu haben (nicht umsonst werden viele in jeder Generation wieder entdeckt), aber man hat so eine gute Möglichkeit ein paar Autoren kennzulernen, die man vielleicht sonst nie gelesen hätte und daraus kann sich eine neue Liebe entwickeln. Ich habe mir vorgenommen, einige der Schnäppchen in einer Art "Kindle-Lesevergnügen-Reihe" vorzustellen, gerade so wie sie mir in den Sinn kommen - wobei es wahrscheinlich zu einem unbeabsichtigten Fokus auf englische Literatur kommt. Also einmal geklatscht und los gehts:


"Gratis Kindle Klassiker der romantischen Natur"


JANE EYRE von Charlotte Bronte, erstmals 1847 erschienen



Mein Lieblingsbuch in der Kategorie Liebesgeschichten und Heiratssachen. Ein absolutes Meisterwerk in Sachen Rosamund-Pilcher-Thema (das eigentlich ein Jane-Austen-Thema ist, schon klar) und zwar in einer überzeugenden Version. Es gibt eine nachvollziehbare Liebesgeschichte und man möchte weder Jane Eyre noch Mr. Rochester beuteln und schreien "Redet doch miteinander!", nein - man sieht die Unüberwindlichkeit des Problems und leidet tausend Tode für beide. Ich brauche eigentlich nur gewisse Seiten aufschlagen und sofort steht mir das Wasser in den Augen. Mr. Rochester ist meine große literarische Liebe und Jane Eyre ist kein zames Feldhäschen, sondern durchaus ein charakterstarkes Wesen.



PERSUASION von Jane Austen, erstmals 1818 erschienen



Unromantische Seelen meinen vielleicht, dass ein Jane Austen Roman, wie der andere ist, aber der wahre Connoisseur weiß es besser. Mit Persuasion das Austen Universum zu betreten, heißt vielleicht, das Pferd von hinten aufzuzäumen, aber Anne Eliot ist nunmal meine Favoritin.
Persuasion wird meistens als das "reifste" Werk beschrieben, hauptsächlich wohl weil Anne das greise Alter von 27 Jahren aufweist (vorbei ist ihre jugendliche Blüte!) und die Geschichte post "dann lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende" spielt, denn soweit ist es gar nie gekommen. Anne hat nämlich ihren höchsten Glücksmoment vor acht Jahren verspielt und ihre große Liebe Frederick Wentworth abgelehnt. Die damals 19 Jährige ließ sich überzeugen, dass sie zu jung und Wentworth nicht würdig ist für so eine passable junge Dame aus gutem Hause. Nun hatte sie acht Jahre um über diese Fehlentscheidung zu brüten, aber das lässt sie nicht verbitterter werden, sondern reflektierter und standfester in ihrer eigenen Moral werden. Und wie es der Romanzufall so will, tritt Captain Wentworth wieder in ihr Leben.


DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER  von Johann Wolfgang von Goethe, erstmals 1774 erschienen



Es gibt natürlich auch romantische Werke auf Deutsch. Der junge Werther von Goethe zählt ganz klar dazu und war wohl DIE Selbstmordanleitung für wahre gebrochene Herzen. Wunderschön geschrieben verleitet Goethe einen dazu gewisse Textpassagen mehrmals hintereinander zu lesen und zu bewundern, wenn man sich erst einmal in das fremdartige Deutsch eingelesen hat. Außerdem habe ich das wunderbare Wort "Radotage" gelernt und kann es kaum erwarten, es endlich im Alltagleben anzuwenden.
Leider muss ich aber auch anmerken, dass mich des jungen Werthers Schicksal nicht ganz so mitgenommen hat. Diese Liebe um der Liebe Willen hat manchmal etwas Substanzloses und es beschleicht einen das Gefühl, dass wenn Werthers Leben nicht ganz so leer wäre, dann hätte er sein Unglück besser verkraftet. Aber das ist wahrscheinlich einfach Sturm und Drang in seiner reinsten Blüte. Vielleicht bin ich aber auch einfach schon zu abgebrüht für diese reine Liebe - ich glaube erhrlich, ich hätte mich als Teenager mehr mit Werther identifizieren können. Aber man sollte Goethe auf alle Fälle eine Chance geben, weil schreiben konnte der wohl.